mitternachtsflohmarkt
in osnabrück findet zwei mal im jahr ein sogenannter mitternachtsflohmarkt statt. Hierzu darf jeder der lust und zeit hat, einen stand in der osnabrücker innenstadt aufbauen und samstagabends von 20 uhr bis zum nächsten sonntag 12 Uhr seinen kram verkaufen und zahlt, soweit ich weiß, nicht mal eine standgebühr. Natürlich sind die plätze an der haupteinkaufsstraße die begehrtesten, da sie den größten umsatz versprechen. Das führt dazu, dass bereits am samstagmorgen einige leute auf campingstühlen ihren standplatz oder platzstand belegen und vor feindlicher übernahme schützen. Ein handtuch reicht hier nicht aus. Einige weniger motivierte stellen einige bananenkartons auf, markieren mit kreide ein rechteck auf dem boden und schreiben ihren namen dazu. Manchmal passiert es, dass ein ladenbesitzer die kartons vor seinem laden nicht haben möchte und diese entfernt. Dann besetzt ein anderer flohmarktverkäufer den platz und es kommt beim aufeinandertreffen von dem kartonreservierer und dem späteren platzbesetzer zu einer verbalen (selten handfesten) auseinandersetzung. Schließlich lockt das große geld.
Und genau über diesen flohmarkt wollen meine freundin, eine freundin und ich um halb zehn abends schlendern. Schlendern ist hier gar nicht so einfach. Der menschenandrang ist so groß, dass daraus ein schieben, drücken und stossen wird.
Da es bereits dunkel geworden ist, muss man manchmal sehr dicht an die stände herantreten, um im diffusen licht der straßenlaternen zu erkennen, was hier feil geboten wird. Besser ausgestattete haben eine taschenlampe dabei, profis eine stirnlampe und sehen damit aus wie übermotivierte höhlenforscher kurz vor der jahrhundertentdeckung. Hätte ich hier einen stand, würde ich mich strikt weigern an einen menschen mit stirnlampe etwas zu verkaufen. Man muss doch einen rest anstand bewahren. Schließlich befinden sich hier auch kleine kinder. Nachdem wie einige stände und gefühlte tausend personen hinter uns haben, sind wir erstaunt, was manche doch für einen plunder anbieten. Die uns begleitende freundin sagt passend: „dieses zeug haben wir doch vor zwanzig jahren selber bereits weggeschmissen.“ damit hat sie recht. Aber es gibt auch andere anbieter, bei denen ich regelrecht auf eine kleine zeitreise in meine kindheit und jugend gehe. Da liegen bücher und cds, die ich mit 12 jahren gelesen und gehört habe, da gibt es spielekonsolen, um die sich wohl manches museum reißen würde, vhs-videokassetten wünschen sich, noch einmal abgespielt zu werden oder actionfiguren aus anderen jahrzehnten hoffen trotz martialischem gesichtsausdruck auf liebkosung durch einen drei-käse-hoch. Der größte teil dieser dinge wird nur bestaunt und nicht gekauft.
Naja, genau wie ihre verkäufer sind auch die meisten stände: manche schön, liebevoll dekoriert, mit tollen sachen; andere ungepflegt und mit unverkäuflichem plunder.
Mich interessieren eigentlich nur bücher. Und so werde ich auch bald fündig und kaufe einige. Beim herunterhandeln des preises stelle ich mich nicht so geschickt an. Die frauen bleiben an jedem schmuckstand hängen oder erfreuen sich an selbstgenähten taschen, tüchern und textilien (man beachte die fast geglückte alliteration).
Eine junge türkin feilscht gestenreich um ein paar kinderklamotten. Ihre gegnerin, nicht viel älter, und wohl auch mutter, hält dagegen. Es geht hin und her. Was für ein einsatz, um zwei euro zu sparen, denke ich. Die betagte grauhaarige mutter der verkaufenden jungen mutter schaltet sich schließlich aus dem hintergrund ein und ruft: „das ist ja hier wie auf dem türkischen basa...“ das letzte wort bleibt ihr im hals stecken. während sie es ausspricht, ist ihr wohl bewusst geworden, dass sie eine türkin vor sich hat und diese den ausruf als beleidigung verstehen könnte. Beschämt nimmt sie wieder auf ihrem campingstuhl platz. Wir zuhörer grinsen und freuen uns über das getroffene fettnäpfchen.
Einige meter weiter kommen wir mit einer – wohl frühpensionierten – lehrerin ins gespräch, die ganz andere sachen anbietet als ihre nachbarn. Es handelt sich dabei um mitbringsel aus aller welt, gekauft von ihrem mann auf den gemeinsamen weltreisen: nachgemachte ming-vasen aus china, tongefäße aus mexiko, schnitzereien aus afrika usw.. ihr mann kaufe die sachen und sie schaffe dann ab und zu platz für neue mitbringsel, damit ihre tochter, wenn diese mal das haus erbt, mit dem ganzen zeug nicht unnötig belastet werde. Das leuchtet uns ein. Gern würden wir etwas kaufen, aber auch wir wollen uns nicht unnötig belasten. So plaudern wir noch ein wenig übers reisen und tun so, als verstünden wir etwas davon. Meine letzte auslandsreise ist jahre her. Schließlich gönnen wir uns noch zwei kugeln eis beim italiener, wobei ich die in der bloßen hand gehaltene waffel nicht mitesse, da ich mir nach flohmärkten immer ein wenig schmutzig und ungewaschen vorkomme. Wir sind uns abschließend einig, dass wir eigentlich nichts von dem gebrauchten krempel brauchen, fanden den abend aber sehr unterhaltsam und gehen zufrieden nach hause.
Und genau über diesen flohmarkt wollen meine freundin, eine freundin und ich um halb zehn abends schlendern. Schlendern ist hier gar nicht so einfach. Der menschenandrang ist so groß, dass daraus ein schieben, drücken und stossen wird.
Da es bereits dunkel geworden ist, muss man manchmal sehr dicht an die stände herantreten, um im diffusen licht der straßenlaternen zu erkennen, was hier feil geboten wird. Besser ausgestattete haben eine taschenlampe dabei, profis eine stirnlampe und sehen damit aus wie übermotivierte höhlenforscher kurz vor der jahrhundertentdeckung. Hätte ich hier einen stand, würde ich mich strikt weigern an einen menschen mit stirnlampe etwas zu verkaufen. Man muss doch einen rest anstand bewahren. Schließlich befinden sich hier auch kleine kinder. Nachdem wie einige stände und gefühlte tausend personen hinter uns haben, sind wir erstaunt, was manche doch für einen plunder anbieten. Die uns begleitende freundin sagt passend: „dieses zeug haben wir doch vor zwanzig jahren selber bereits weggeschmissen.“ damit hat sie recht. Aber es gibt auch andere anbieter, bei denen ich regelrecht auf eine kleine zeitreise in meine kindheit und jugend gehe. Da liegen bücher und cds, die ich mit 12 jahren gelesen und gehört habe, da gibt es spielekonsolen, um die sich wohl manches museum reißen würde, vhs-videokassetten wünschen sich, noch einmal abgespielt zu werden oder actionfiguren aus anderen jahrzehnten hoffen trotz martialischem gesichtsausdruck auf liebkosung durch einen drei-käse-hoch. Der größte teil dieser dinge wird nur bestaunt und nicht gekauft.
Naja, genau wie ihre verkäufer sind auch die meisten stände: manche schön, liebevoll dekoriert, mit tollen sachen; andere ungepflegt und mit unverkäuflichem plunder.
Mich interessieren eigentlich nur bücher. Und so werde ich auch bald fündig und kaufe einige. Beim herunterhandeln des preises stelle ich mich nicht so geschickt an. Die frauen bleiben an jedem schmuckstand hängen oder erfreuen sich an selbstgenähten taschen, tüchern und textilien (man beachte die fast geglückte alliteration).
Eine junge türkin feilscht gestenreich um ein paar kinderklamotten. Ihre gegnerin, nicht viel älter, und wohl auch mutter, hält dagegen. Es geht hin und her. Was für ein einsatz, um zwei euro zu sparen, denke ich. Die betagte grauhaarige mutter der verkaufenden jungen mutter schaltet sich schließlich aus dem hintergrund ein und ruft: „das ist ja hier wie auf dem türkischen basa...“ das letzte wort bleibt ihr im hals stecken. während sie es ausspricht, ist ihr wohl bewusst geworden, dass sie eine türkin vor sich hat und diese den ausruf als beleidigung verstehen könnte. Beschämt nimmt sie wieder auf ihrem campingstuhl platz. Wir zuhörer grinsen und freuen uns über das getroffene fettnäpfchen.
Einige meter weiter kommen wir mit einer – wohl frühpensionierten – lehrerin ins gespräch, die ganz andere sachen anbietet als ihre nachbarn. Es handelt sich dabei um mitbringsel aus aller welt, gekauft von ihrem mann auf den gemeinsamen weltreisen: nachgemachte ming-vasen aus china, tongefäße aus mexiko, schnitzereien aus afrika usw.. ihr mann kaufe die sachen und sie schaffe dann ab und zu platz für neue mitbringsel, damit ihre tochter, wenn diese mal das haus erbt, mit dem ganzen zeug nicht unnötig belastet werde. Das leuchtet uns ein. Gern würden wir etwas kaufen, aber auch wir wollen uns nicht unnötig belasten. So plaudern wir noch ein wenig übers reisen und tun so, als verstünden wir etwas davon. Meine letzte auslandsreise ist jahre her. Schließlich gönnen wir uns noch zwei kugeln eis beim italiener, wobei ich die in der bloßen hand gehaltene waffel nicht mitesse, da ich mir nach flohmärkten immer ein wenig schmutzig und ungewaschen vorkomme. Wir sind uns abschließend einig, dass wir eigentlich nichts von dem gebrauchten krempel brauchen, fanden den abend aber sehr unterhaltsam und gehen zufrieden nach hause.
bratapfel-süß-sauer - 27. Mai, 18:06