Freitag, 31. Mai 2013

fruchtbare missverständnisse

wenn einem die eigenen ideen ausgehen, muss man sich eben bei anderen bedienen. Das tue ich heute. Der von mir geschätze, obwohl sehr medienpräsente, arzt, philosoph und schriftsteller manfred lütz darf mir heute seine gedanken leihen. Also eher nur eine kleine anekdote, aus seinem buch „bluff“. Dort geht es in einem kurzen absatz um fruchtbare mißverständnisse.
Zunächst noch zum autor: ich habe alle seinen bekannten, populären bücher mit großen interesse gelesen (lebenslust, gott – eine kleine geschichte des größten, irre – wir behandeln die falschen, Bluff – die fälschung der welt), finde vieles was lütz schreibt gut und richtig und kann seine bücher nur weiterempfehlen. Als geheimtipp können sie wohl dank monatelanger platzierung auf der spiegel-bestsellerliste nicht mehr gelten.
Also, die anekdote, die mich zum schmunzeln gebraucht hat, hat folgenden inhalt: „als amerikanische Gis damals zu millionen nach frankreich kamen, um die grande nation zu befreien, trafen sie auch auf fröhlich französinnen, die sie so begrüßten, wie das üblich war – in frankreich üblich war. Sie küssten die basserstaunten amerikanischen jungmänner nämlich auf beide wangen. Das war in frankreich kein besonderes zeichen von sympathie, sondern ganz normal. Für die verblüfften amerikaner war das aber eindeutig eine grenzüberschreitung, der beweis besonderer zuneigung, ja geradezu eine intimität. Da die französinnen aber darüber hinaus gewöhnlich recht attraktiv waren, ließen sich die amerikaner nicht lange bitten und küssten leidenschaftlich zurück, was wiederum die französinnen irritierte und interessierte. Und so entstand die amüsante situation, dass jede seite von der jeweils anderen seite einen völlig falschen eindruck bekam und sie für ungewöhnlich draufgängerisch hielt. Auf diese weise hatte die große amerikanisch-französische freundschaft am ende wegen eines kleinen kulturellen missverständnisses ausgesprochen fruchtbare kleine konsequenzen.“
ach, was für eine süße geschichte. Danke, manfred.

Da mir, wie schon gesagt heute nichts eigenes einfällt, noch eine kleine geborgte geschichte, die unter beteiligung eines nicht weniger medienpräsenten mannes im fernsehen zum besten gegeben wurde: es handelt sich um den von mir ebenfalls geschätzten, manchmal leicht nervigen, da klugscheißerisch anmutenden, richard david precht. Dieser hat seit September 2012 unter dem Titel „Precht“ eine Sendereihe zur Philosophie im ZDF. In der Sendung vom 9. Dezember 2012 durfte Robert Spaemann zum thema „Dürfen wir Tiere essen?“ - nein – nicht mitdiskutieren, sondern sich belehren lassen. Naja, das meine ich manchmal mit der anmutenden klugscheißerei. Der etwas verschlafen wirkende und mäßig schlagfertige prof. spaemann erzählte aber immerhin folgende schöne geschichte: einer seiner kollegen, ein prof. aus shanghai, habe in einem gasthaus „biber“ bestellt. Dann kam der kellner mit einem biber in einem käfig an den tisch, um dem gast zu zeigen, dass der biber noch frisch und lebendig ist. Daraufhin sagte der chinesische professor: „geben sie mir den ganzen biber. Ich kaufe ihn lebendig.“ Und letztlich landete der biber dann gesund und munter, und vor allem ungeschlachtet und ungegessen, im shanghaier zoo und tobt dort heute mit anderen bibern herum.
Das entscheidende an der geschichte: als der prof. den lebendigen biber gesehen hatte, wollte er diesen nicht mehr für sein mittagessen töten lassen.
Nun, ich esse zwar wenig fleisch, bin aber kein vegetarier. ich habe manchmal ein schlechtes gewissen, dass ich bei den heutigen (teils grausamen) massentierhaltungen noch fleisch esse. Vielleicht gingen wir ja mit fleisch anders um, wenn wir die zu tötenden tiere auch vorher gezeigt bekämen. Ich werde darüber wohl noch ein wenig nachdenken müssen.

Vanilleeis mit heißen kirschen

Der druck steigt. Die zeit wird knapp. Eigentlich ist es ein selbstauferlegter druck. Meine mutter hat in zwei wochen geburtstag, ich habe versprochen, ihr meine dritte geschichtensammlung zu schenken, und nun habe ich in den letzten wochen fast nichts geschrieben. Ich fühle mich unter druck gesetzt. Ich kann doch unter druck nicht arbeiten. Ohne aber auch nicht. Eigentlich arbeite ich grundsätzlich nicht so gerne. Naja, das ist schon wieder eine andere geschichte. Ich habe eine (gefühlte) bringschuld: ich muss liefern, sprich: in den nächsten zwei wochen so viel schreiben wie möglich und dann hoffen, dass einiges davon lesenswert erscheint. Im bürgerlichen gesetzbuch unterscheidet man „hol-, bring- und schickschuld“, kommt mir in den sinn. Dabei geht es meines erachtens in erster linie um haftungsrechtliche fragen. Das interessiert mich aber schon lange nicht mehr. Ich gebrauche den begriff „bringschuld“ hier im umgangssprachlichen und nicht im technischen sinne, also nicht als sog. „terminus technicus“. Was für bedeutungsschwere wörter. Würden den einen oder anderen vielleicht gar beeindrucken. Ich halte es für pure wichtigtuerei, mit fremdwörtern um sich zu schmeißen.
Also, noch mal: ich befinde mich in einer bringschuld und muss liefern. Andererseits schreibe ich die meisten meiner bloggeschichten einfach so runter, ohne diese groß zu überarbeiten oder vorher über die themen viel nachzudenken. Die ideen kommen mir beim schreiben. Ein satz reiht sich an den anderen und manchmal ist am ende eine stimmige geschichte daraus geworden. Warum sollte mir also in den nächsten zwei wochen nicht gelingen, was in den letzten monaten immer wieder geklappt hat.
verehrte angst, geschätzter selbstzweifel: ihr seid jetzt nicht dran!
Um euch kümmere ich mich später. Manchmal hilft es wohl, weniger zu denken und stattdessen die dinge einfach zu machen. Klingt ja, wie bei einem seminar für angehende manager, meldet sich ein vorlauter gedanke. Manchmal möchte ich meine gedanken anbrüllen: ruhe jetzt, schön der reihe nach, nicht alle durcheinander, hier versucht einer zu arbeiten. Aber sie kümmern sich nicht drum; machen, wie schon beschrieben, was sie wollen. Je mehr man um ordnung bemüht ist, umso eher tanzen sie aus der reihe. Jetzt drängt sich ein gedanke an vanilleeis mit heißen kirschen in den vordergrund. Verdammt, wie soll man so arbeiten?
Zusammengerissen und weiter: mich verfolgt also beim schreiben immer eine unterschwellige angst, dass das geschriebene nicht gut genug ist; beim leser nicht ankommen wird. Daher bin ich immer sehr froh, wenn mal wieder eine meiner leserinnen einen beitrag lobt. (vanilleeis-mit-heißen-kirschen meldet sich schon wieder; nein, jetzt nicht, blöder arsch-gedanke!) Vielleicht fehlt mir als urheber ja auch die distanz zu den eigenen texten. Fremde texte kann ich meiner meinung nach ganz gut beurteilen (und noch besser kritisieren).
Zum glück fallen mir jetzt ein paar themen ein, über die ich noch schreiben wollte. Ich notiere sie schnell auf einem notizblock. So, der anfang ist gemacht. Ich habe ein ziel: meiner mutter eine neue geschichtensammlung zum geburtstag zu schenken. Wahnsinn, wenn das nicht motiviert und treibt. Andere schreibende schreiben um ihr leben, um den schmerz und den wahnsinn loszuwerden, um sich zu finden oder zu verlieren ... und ich kämpfe um ein lob von mutter. Man muss halt wissen, worauf es ankommt. Vanilleeis mit heißen kirschen? Verdammt, ich muss wohl noch mal schnell zu aldi, bevor ich mit der arbeit anfangen kann.

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