fruchtbare missverständnisse
wenn einem die eigenen ideen ausgehen, muss man sich eben bei anderen bedienen. Das tue ich heute. Der von mir geschätze, obwohl sehr medienpräsente, arzt, philosoph und schriftsteller manfred lütz darf mir heute seine gedanken leihen. Also eher nur eine kleine anekdote, aus seinem buch „bluff“. Dort geht es in einem kurzen absatz um fruchtbare mißverständnisse.
Zunächst noch zum autor: ich habe alle seinen bekannten, populären bücher mit großen interesse gelesen (lebenslust, gott – eine kleine geschichte des größten, irre – wir behandeln die falschen, Bluff – die fälschung der welt), finde vieles was lütz schreibt gut und richtig und kann seine bücher nur weiterempfehlen. Als geheimtipp können sie wohl dank monatelanger platzierung auf der spiegel-bestsellerliste nicht mehr gelten.
Also, die anekdote, die mich zum schmunzeln gebraucht hat, hat folgenden inhalt: „als amerikanische Gis damals zu millionen nach frankreich kamen, um die grande nation zu befreien, trafen sie auch auf fröhlich französinnen, die sie so begrüßten, wie das üblich war – in frankreich üblich war. Sie küssten die basserstaunten amerikanischen jungmänner nämlich auf beide wangen. Das war in frankreich kein besonderes zeichen von sympathie, sondern ganz normal. Für die verblüfften amerikaner war das aber eindeutig eine grenzüberschreitung, der beweis besonderer zuneigung, ja geradezu eine intimität. Da die französinnen aber darüber hinaus gewöhnlich recht attraktiv waren, ließen sich die amerikaner nicht lange bitten und küssten leidenschaftlich zurück, was wiederum die französinnen irritierte und interessierte. Und so entstand die amüsante situation, dass jede seite von der jeweils anderen seite einen völlig falschen eindruck bekam und sie für ungewöhnlich draufgängerisch hielt. Auf diese weise hatte die große amerikanisch-französische freundschaft am ende wegen eines kleinen kulturellen missverständnisses ausgesprochen fruchtbare kleine konsequenzen.“
ach, was für eine süße geschichte. Danke, manfred.
Da mir, wie schon gesagt heute nichts eigenes einfällt, noch eine kleine geborgte geschichte, die unter beteiligung eines nicht weniger medienpräsenten mannes im fernsehen zum besten gegeben wurde: es handelt sich um den von mir ebenfalls geschätzten, manchmal leicht nervigen, da klugscheißerisch anmutenden, richard david precht. Dieser hat seit September 2012 unter dem Titel „Precht“ eine Sendereihe zur Philosophie im ZDF. In der Sendung vom 9. Dezember 2012 durfte Robert Spaemann zum thema „Dürfen wir Tiere essen?“ - nein – nicht mitdiskutieren, sondern sich belehren lassen. Naja, das meine ich manchmal mit der anmutenden klugscheißerei. Der etwas verschlafen wirkende und mäßig schlagfertige prof. spaemann erzählte aber immerhin folgende schöne geschichte: einer seiner kollegen, ein prof. aus shanghai, habe in einem gasthaus „biber“ bestellt. Dann kam der kellner mit einem biber in einem käfig an den tisch, um dem gast zu zeigen, dass der biber noch frisch und lebendig ist. Daraufhin sagte der chinesische professor: „geben sie mir den ganzen biber. Ich kaufe ihn lebendig.“ Und letztlich landete der biber dann gesund und munter, und vor allem ungeschlachtet und ungegessen, im shanghaier zoo und tobt dort heute mit anderen bibern herum.
Das entscheidende an der geschichte: als der prof. den lebendigen biber gesehen hatte, wollte er diesen nicht mehr für sein mittagessen töten lassen.
Nun, ich esse zwar wenig fleisch, bin aber kein vegetarier. ich habe manchmal ein schlechtes gewissen, dass ich bei den heutigen (teils grausamen) massentierhaltungen noch fleisch esse. Vielleicht gingen wir ja mit fleisch anders um, wenn wir die zu tötenden tiere auch vorher gezeigt bekämen. Ich werde darüber wohl noch ein wenig nachdenken müssen.
Zunächst noch zum autor: ich habe alle seinen bekannten, populären bücher mit großen interesse gelesen (lebenslust, gott – eine kleine geschichte des größten, irre – wir behandeln die falschen, Bluff – die fälschung der welt), finde vieles was lütz schreibt gut und richtig und kann seine bücher nur weiterempfehlen. Als geheimtipp können sie wohl dank monatelanger platzierung auf der spiegel-bestsellerliste nicht mehr gelten.
Also, die anekdote, die mich zum schmunzeln gebraucht hat, hat folgenden inhalt: „als amerikanische Gis damals zu millionen nach frankreich kamen, um die grande nation zu befreien, trafen sie auch auf fröhlich französinnen, die sie so begrüßten, wie das üblich war – in frankreich üblich war. Sie küssten die basserstaunten amerikanischen jungmänner nämlich auf beide wangen. Das war in frankreich kein besonderes zeichen von sympathie, sondern ganz normal. Für die verblüfften amerikaner war das aber eindeutig eine grenzüberschreitung, der beweis besonderer zuneigung, ja geradezu eine intimität. Da die französinnen aber darüber hinaus gewöhnlich recht attraktiv waren, ließen sich die amerikaner nicht lange bitten und küssten leidenschaftlich zurück, was wiederum die französinnen irritierte und interessierte. Und so entstand die amüsante situation, dass jede seite von der jeweils anderen seite einen völlig falschen eindruck bekam und sie für ungewöhnlich draufgängerisch hielt. Auf diese weise hatte die große amerikanisch-französische freundschaft am ende wegen eines kleinen kulturellen missverständnisses ausgesprochen fruchtbare kleine konsequenzen.“
ach, was für eine süße geschichte. Danke, manfred.
Da mir, wie schon gesagt heute nichts eigenes einfällt, noch eine kleine geborgte geschichte, die unter beteiligung eines nicht weniger medienpräsenten mannes im fernsehen zum besten gegeben wurde: es handelt sich um den von mir ebenfalls geschätzten, manchmal leicht nervigen, da klugscheißerisch anmutenden, richard david precht. Dieser hat seit September 2012 unter dem Titel „Precht“ eine Sendereihe zur Philosophie im ZDF. In der Sendung vom 9. Dezember 2012 durfte Robert Spaemann zum thema „Dürfen wir Tiere essen?“ - nein – nicht mitdiskutieren, sondern sich belehren lassen. Naja, das meine ich manchmal mit der anmutenden klugscheißerei. Der etwas verschlafen wirkende und mäßig schlagfertige prof. spaemann erzählte aber immerhin folgende schöne geschichte: einer seiner kollegen, ein prof. aus shanghai, habe in einem gasthaus „biber“ bestellt. Dann kam der kellner mit einem biber in einem käfig an den tisch, um dem gast zu zeigen, dass der biber noch frisch und lebendig ist. Daraufhin sagte der chinesische professor: „geben sie mir den ganzen biber. Ich kaufe ihn lebendig.“ Und letztlich landete der biber dann gesund und munter, und vor allem ungeschlachtet und ungegessen, im shanghaier zoo und tobt dort heute mit anderen bibern herum.
Das entscheidende an der geschichte: als der prof. den lebendigen biber gesehen hatte, wollte er diesen nicht mehr für sein mittagessen töten lassen.
Nun, ich esse zwar wenig fleisch, bin aber kein vegetarier. ich habe manchmal ein schlechtes gewissen, dass ich bei den heutigen (teils grausamen) massentierhaltungen noch fleisch esse. Vielleicht gingen wir ja mit fleisch anders um, wenn wir die zu tötenden tiere auch vorher gezeigt bekämen. Ich werde darüber wohl noch ein wenig nachdenken müssen.
bratapfel-süß-sauer - 31. Mai, 10:54