kneipenbesuch
es gibt so abende, da will ich unbedingt noch mal raus. Also raus aus den eigenen vier wänden, etwas erleben, ein paar bier trinken und in einer kneipe sitzen. Leider hält sich dieses bedürfnis nicht an die vorgeschriebenen wochentage, soll heißen: nicht am freitag oder samstag überkommt mich dieses gefühl. Es ist sogar eher so, dass dieses bedürfnis am häufigsten auftritt, wenn in der stadt überhaupt nichts los ist. Also bspw. Am sonntag, montag oder mittwoch. Und dann gehe ich in kneipen oder clubs, die mir eigentlich gar nicht so zusagen. Naja. Letzten sonntag war es dann mal wieder so weit: ich hatte meine freundin in den zug nach bremen gesetzt, saß allein in meiner wohnung, hatte am wochenende abends nichts großartiges unternommen und plötzlich um zehn uhr meldete sich das oben beschriebene raus-geh-bedürfnis. Im internet schnell noch geschaut, ob irgendwo etwas los ist und dann los. Eine mir bisher unbekannte kneipe lockte mit einer afterhourparty. An einem sonntag? Naja, mangels alternativen setzte ich mich aufs rad und fuhr dort hin. von außen betrachtet, schien es sich um einen ziemlich abgerockten, alternativen und mittelschwer versifften laden zu handeln. Genau richtig, dachte ich. Also mein altherrenfahrrad angeschlossen und hinein. Im fensterlosen, düsteren und eher übersichtlichen laden war nichts los. Ein paar leute spielten dart, zwei leute standen am kicker und einer saß an der theke. Na super. Ich setzte mich also an die theke und bestellte ein bier. Dabei kam ich mit der ca. fünfzigjährigen thekenkraft ins gespräch. Später stellte sich raus, dass sie auch inhaberin der kneipe ist und von allen nur liebevoll „mutti“ genannt wird. Ich kippte ein paar schnelle biere und sah mich dabei weiter um. Der ganze laden gefliest, künstliches licht und die wände schwarz gestrichen. wem´s gefällt, bitte sehr. Mancher abstellraum oder vorkriegskeller ist sicherlich gemütlicher. Erinnerte mich ein wenig, an diese „druck-räume“, in denen sich junkies einen schuss setzen können. Nur düsterer war es hier. Den druck müsste man sich hier direkt auf der theke setzen, um die vene zu finden, dachte ich noch. „mutti“ erzählte mir, dass sie hier viele konzerte veranstalten würden, vor allem heavy metall. Das wunderte mich jetzt angesichts des ambientes nicht. Leider sah ich an diesem abend überhaupt nicht nach heavy-metall aus. Gebügeltes rot-weiß-kariertes hemd, schmale lederschuhe und grüne barbour-jacke. Zum glück war ich wenigstens unrasiert. Mein auffälliges äußeres erklärte auch, warum mich die anderen gäste argwöhnisch beäugten. „mutti“ allerdings nicht. Sie schien an solch merkwürdige erscheinungen wie mich gewöhnt zu sein.
Der typ neben mir passte hier schon besser rein: lange ungepflegte haare, notdürftig zu einem pferdeschwanz zusammengefasst, kräftig bis dick, also eher dick, aufgequollenes gesicht, glubschaugen, die derart herausragten, als wäre in seinem schädel nicht mehr genug platz für die dinger, holzfällerhemd, eine art hose, nur größer und schwarze stiefel. Als ich mit „mutti“ über die angebotenen biersorten diskutierte – sie bevorzugte becks oder jever, ich hatte ein grolsch vor mir – mischte sich der benachbarte fleischberg ein: er hielt ein staropramen in der hand und dieses tschechische pils für das beste bier überhaupt. Voller stolz berichtete er, wie er eines abends bei einem besonders hitzigen metall-konzert „aus versehen“ davon eine ganze kiste getrunken habe. Erst bei muttis abrechnung sei festgestellt worden, dass er eine ganze kiste allein geschafft hatte. Nicht schlecht, log ich und dachte nur: herzlichen glückwunsch. Wenn das keine leistung ist. Wir unterhielten uns dann noch über musik, drogen und andere dinge, von denen er vorgab, einiges zu verstehen und ich ihm, um mich nicht gleich am ersten abend unbeliebt zu machen, häufig recht gab. Je länger das gespräch andauerte, umso anstrengender wurde es. Ich versuchte gegen die anstrengung anzutrinken, kam aber nicht hinterher. Irgendwann sagte mutti, dass es jetzt langsam reiche und sie den laden dichtmachen wolle. Ich, mittlerweile recht erschöpft, war sogar froh darüber, verabschiedete mich von „fleisch“ und „mutti“ und radelte mittelmäßig befriedigt nach hause. „warum tue ich mir sowas an?“, war die frage, die mich auf dem „nachhauseweg“ begleitete.
Der typ neben mir passte hier schon besser rein: lange ungepflegte haare, notdürftig zu einem pferdeschwanz zusammengefasst, kräftig bis dick, also eher dick, aufgequollenes gesicht, glubschaugen, die derart herausragten, als wäre in seinem schädel nicht mehr genug platz für die dinger, holzfällerhemd, eine art hose, nur größer und schwarze stiefel. Als ich mit „mutti“ über die angebotenen biersorten diskutierte – sie bevorzugte becks oder jever, ich hatte ein grolsch vor mir – mischte sich der benachbarte fleischberg ein: er hielt ein staropramen in der hand und dieses tschechische pils für das beste bier überhaupt. Voller stolz berichtete er, wie er eines abends bei einem besonders hitzigen metall-konzert „aus versehen“ davon eine ganze kiste getrunken habe. Erst bei muttis abrechnung sei festgestellt worden, dass er eine ganze kiste allein geschafft hatte. Nicht schlecht, log ich und dachte nur: herzlichen glückwunsch. Wenn das keine leistung ist. Wir unterhielten uns dann noch über musik, drogen und andere dinge, von denen er vorgab, einiges zu verstehen und ich ihm, um mich nicht gleich am ersten abend unbeliebt zu machen, häufig recht gab. Je länger das gespräch andauerte, umso anstrengender wurde es. Ich versuchte gegen die anstrengung anzutrinken, kam aber nicht hinterher. Irgendwann sagte mutti, dass es jetzt langsam reiche und sie den laden dichtmachen wolle. Ich, mittlerweile recht erschöpft, war sogar froh darüber, verabschiedete mich von „fleisch“ und „mutti“ und radelte mittelmäßig befriedigt nach hause. „warum tue ich mir sowas an?“, war die frage, die mich auf dem „nachhauseweg“ begleitete.
bratapfel-süß-sauer - 4. Jun, 18:23