kein geld, aber einen wortschatz
Ich bin in bremen. Unterwegs. Allein. Meine freundin ist für einen tagestrip mit zwei freundinnen nach hamburg gefahren: stadtbesichtigung, hafenrundfahrt, essen gehen usw.. ich durfte nicht mit. Ich muss mich heute also selbst versorgen und habe die anweisung erhalten, den schweinebraten mit herzoginkartoffeln in der mensa zu essen. Und nicht wieder „irgend sonen fast-food-scheiß“.
Die sonne knallt vom himmel herunter, mein hemd klebt am rücken und ist unter den achseln nass. Ich trage wetterbedingt flipflops und sonnenbrillengläser zum hochklappen; also zum aufstecken auf meine normale brille. Erst nach dem aufstecken kann man sie hochklappen. Meine freundin meint, ich sähe damit verboten aus. Oder – nach dem hochklappen - wie ein maikäfer, der seine flügel ausgefahren hat. Vielleicht durfte ich ja aufgrund der getönten aufsteckgläser nicht mit nach hamburg. Manchmal glaube ich, dass sich meine freundin für mich schämt. Zu recht. Ich kann mich nicht benehmen, reiße witze unterhalb der gürtellinie und fange an, quatsch zu machen, wenn man mir zu wenig aufmerksamkeit schenkt. Oder ich sage einfach gar nichts, weil ich gerade meine depressive phase habe. Naja, wäre ich eine frau, könnte ich sagen: ich bin kompliziert. Auf partys nimmt sie mich übrigens auch nicht mit. Da sollte ich mal drüber nachdenken.
Zurück nach bremen: ich gehe also bei gleißendem sonnenlicht … (ich glaube, dass wort „gleißend“ habe ich noch nie verwendet; also zumindest nicht schriftlich; laut duden bedeutet es: stark und spiegelnd (metallisch); anscheinend ist das verb „gleißen“ aus versehen aus meinem passiven in den aktiven wortschatz gerutscht. Zum verständnis, schließlich soll der leser ja auch etwas lernen - habe ich eigentlich einen bildungsauftrag? Und wenn ja, kann ich den von der steuer absetzen? - : man unterscheidet zwischen passivem und aktivem wortschatz (das nun folgende stammt mal wieder von wikipedia):
Der rezeptive Wortschatz (passiver Wortschatz) wird vom Sinn her verstanden, wird jedoch nicht aktiv verwendet. Er ist jener, der meist nur zum Verstehen gesprochener und geschriebener Texte beiträgt, also eher als Verstehenswortschatz bezeichnet werden kann, der im entscheidenden Augenblick als bekannt aus dem Gedächtnis abgerufen oder über andere Wege (z. B. Wortbildung) erschlossen wird.
Der produktive Wortschatz (aktiver Wortschatz) wird auch beim Sprechen benutzt, seine Einsatzmöglichkeiten sind so weit bekannt, dass sinnvolle verständliche Sätze damit geformt werden können.
So weit, so interessant. Also beim schreiben ist jetzt aus versehen, also ohne mein bewusstes zutun, das verb „gleißen“, das ich bisher nur verstanden, aber nicht benutzt habe, vom passiven in den aktiven wortschatz gerutscht. Hmm. Kann man da noch was machen? Vielleicht möchte ich das wort „gleißen“ gar nicht in meinem aktiven wortschatz haben. Außerdem ruft es eher negative assoziationen hervor, erinnert an entgleisen, scheißen, beißen … . keine ahnung. Ich nehme mir vor das wort „gleißen“ schnell wieder zu vergessen. Mal sehen, ob das klappt.
Ich glaube, ich habe mich gedanklich schon wieder aus bremens innenstadt entfernt. Also zurück: ich gehe also bei …….. sonnenlicht durch die innenstadt und rauche dabei eine kleine billige, relativ milde zigarre. Ich überlege, ob ich mir irgendwo einen kaffee holen soll. Ich werfe einen blick in mein portmonee und stelle fest, dass es gerade noch für die rückfahrt und ein mensaessen reicht. Also keinen kaffee. Ich biege in die boettcher-gasse ein, eine bremer sehenswürdigkeit. Ganz schön gemacht, denke ich, aber etwas überladen. Typisch touristenfalle. Ich gehe an einem akkordeon-spieler vorbei, der dem ding recht schöne töne entlockt. Erinnert mich ein bißchen an yann tiersen. Das ist der typ, der zu jeunets komödie „die fabelhafte welt der amelie“ die filmmusik beigesteuert hat. Der film ist zwar toll, aber auch ein wenig überladen, kommt mir in den sinn. Ich kann ihm nichts geben, nur zunicken. Ich hab ja kein geld. Über, also übrig. Einige meter weiter sitzt ein bettelnder bärtiger typ, vielleicht schon fünfzig, und prostet mir mit seinem flachmann zu. Dabei hält er seine zigarre hoch, deutet mit dieser auf meinen glühenden zigarrenstumpen und sagt: „einen taler“. Ich weiß nicht warum, irgendwas rührt mich an dieser szene, aber ich hole meine geldbörse heraus und drücke ihm einen euro in die hochgehaltene hand. Für mehr schnaps und zigarren? Rauchersolidarität? Ich weiß es nicht. „da freu ich mich aber“, sagt er. Ich nicke und gehe schnell weiter. Ich denke darüber nach, warum ich ihm jetzt etwas gegeben habe und kann mir die frage nicht beantworten.
Ich setze mich auf eine bank an der weserpromenade und betrachte die vor anker liegenden schiffe. Mir fällt nichts ein. Ein ehepaar mit schwarzem labrador an der leine geht vorbei. Der hund hechelt stark, wohl aufgrund der hitze. Am gegenüberliegenden ufer schüttet ein bauarbeiter bauschutt in die weser. Eine ente fährt vorbei. Dann ein lastkahn, flußaufwärts. Spannende unterhaltung ist das nicht. Ich bekomme langsam hunger. Für das mensaessen fehlt mir jetzt aber der weggegebene euro. Ich werde den bettler wohl fragen müssen, ob ich den euro zurückbekommen kann. Mal sehen, was er dazu sagt. Oder ich setze mich neben ihn, vielleicht gibt mir ja jemand einen euro, der mir jetzt fehlt. Nach kurzer bedenkzeit hole mir für zwei euro einen kleinen flachmann, weizenkorn, und setze mich einige meter entfernt von meinem bettler hin, zünde die zigarre an und nippe am korn. Den vorbeikommenden touristen nicke und proste ich zu und frage: „einen taler?“ sie sehen mich verständnislos und angewidert an und gehen schnell weiter. Keiner gibt mir einen euro. Wobei ich ja jetzt schon drei euro für das mensaessen bräuchte. Was mache ich nur falsch? Der von mir beschenkte bettler guckt mich böse an. Jetzt bin ich ein konkurrent. Als er verstärkung erhält und seinen kumpel mit einer geste auf mich aufmerksam macht, bekomme ich angst. Ich stehe auf und gehe zurück zur wohnung meiner freundin, schnappe mir ihr leergut und kaufe mir vom erlös eine tiefkühlpizza. Für den rest des tages bleibe ich in der wohnung. Das war heute schon wieder alles ein bisschen viel. Wenn ich heute abend meiner freundin diese geschichte erzähle, bekomme ich bestimmt wieder ärger. Auch betteln will gelernt sein, denke ich. Gleißendes sonnenlicht hin oder her.
Die sonne knallt vom himmel herunter, mein hemd klebt am rücken und ist unter den achseln nass. Ich trage wetterbedingt flipflops und sonnenbrillengläser zum hochklappen; also zum aufstecken auf meine normale brille. Erst nach dem aufstecken kann man sie hochklappen. Meine freundin meint, ich sähe damit verboten aus. Oder – nach dem hochklappen - wie ein maikäfer, der seine flügel ausgefahren hat. Vielleicht durfte ich ja aufgrund der getönten aufsteckgläser nicht mit nach hamburg. Manchmal glaube ich, dass sich meine freundin für mich schämt. Zu recht. Ich kann mich nicht benehmen, reiße witze unterhalb der gürtellinie und fange an, quatsch zu machen, wenn man mir zu wenig aufmerksamkeit schenkt. Oder ich sage einfach gar nichts, weil ich gerade meine depressive phase habe. Naja, wäre ich eine frau, könnte ich sagen: ich bin kompliziert. Auf partys nimmt sie mich übrigens auch nicht mit. Da sollte ich mal drüber nachdenken.
Zurück nach bremen: ich gehe also bei gleißendem sonnenlicht … (ich glaube, dass wort „gleißend“ habe ich noch nie verwendet; also zumindest nicht schriftlich; laut duden bedeutet es: stark und spiegelnd (metallisch); anscheinend ist das verb „gleißen“ aus versehen aus meinem passiven in den aktiven wortschatz gerutscht. Zum verständnis, schließlich soll der leser ja auch etwas lernen - habe ich eigentlich einen bildungsauftrag? Und wenn ja, kann ich den von der steuer absetzen? - : man unterscheidet zwischen passivem und aktivem wortschatz (das nun folgende stammt mal wieder von wikipedia):
Der rezeptive Wortschatz (passiver Wortschatz) wird vom Sinn her verstanden, wird jedoch nicht aktiv verwendet. Er ist jener, der meist nur zum Verstehen gesprochener und geschriebener Texte beiträgt, also eher als Verstehenswortschatz bezeichnet werden kann, der im entscheidenden Augenblick als bekannt aus dem Gedächtnis abgerufen oder über andere Wege (z. B. Wortbildung) erschlossen wird.
Der produktive Wortschatz (aktiver Wortschatz) wird auch beim Sprechen benutzt, seine Einsatzmöglichkeiten sind so weit bekannt, dass sinnvolle verständliche Sätze damit geformt werden können.
So weit, so interessant. Also beim schreiben ist jetzt aus versehen, also ohne mein bewusstes zutun, das verb „gleißen“, das ich bisher nur verstanden, aber nicht benutzt habe, vom passiven in den aktiven wortschatz gerutscht. Hmm. Kann man da noch was machen? Vielleicht möchte ich das wort „gleißen“ gar nicht in meinem aktiven wortschatz haben. Außerdem ruft es eher negative assoziationen hervor, erinnert an entgleisen, scheißen, beißen … . keine ahnung. Ich nehme mir vor das wort „gleißen“ schnell wieder zu vergessen. Mal sehen, ob das klappt.
Ich glaube, ich habe mich gedanklich schon wieder aus bremens innenstadt entfernt. Also zurück: ich gehe also bei …….. sonnenlicht durch die innenstadt und rauche dabei eine kleine billige, relativ milde zigarre. Ich überlege, ob ich mir irgendwo einen kaffee holen soll. Ich werfe einen blick in mein portmonee und stelle fest, dass es gerade noch für die rückfahrt und ein mensaessen reicht. Also keinen kaffee. Ich biege in die boettcher-gasse ein, eine bremer sehenswürdigkeit. Ganz schön gemacht, denke ich, aber etwas überladen. Typisch touristenfalle. Ich gehe an einem akkordeon-spieler vorbei, der dem ding recht schöne töne entlockt. Erinnert mich ein bißchen an yann tiersen. Das ist der typ, der zu jeunets komödie „die fabelhafte welt der amelie“ die filmmusik beigesteuert hat. Der film ist zwar toll, aber auch ein wenig überladen, kommt mir in den sinn. Ich kann ihm nichts geben, nur zunicken. Ich hab ja kein geld. Über, also übrig. Einige meter weiter sitzt ein bettelnder bärtiger typ, vielleicht schon fünfzig, und prostet mir mit seinem flachmann zu. Dabei hält er seine zigarre hoch, deutet mit dieser auf meinen glühenden zigarrenstumpen und sagt: „einen taler“. Ich weiß nicht warum, irgendwas rührt mich an dieser szene, aber ich hole meine geldbörse heraus und drücke ihm einen euro in die hochgehaltene hand. Für mehr schnaps und zigarren? Rauchersolidarität? Ich weiß es nicht. „da freu ich mich aber“, sagt er. Ich nicke und gehe schnell weiter. Ich denke darüber nach, warum ich ihm jetzt etwas gegeben habe und kann mir die frage nicht beantworten.
Ich setze mich auf eine bank an der weserpromenade und betrachte die vor anker liegenden schiffe. Mir fällt nichts ein. Ein ehepaar mit schwarzem labrador an der leine geht vorbei. Der hund hechelt stark, wohl aufgrund der hitze. Am gegenüberliegenden ufer schüttet ein bauarbeiter bauschutt in die weser. Eine ente fährt vorbei. Dann ein lastkahn, flußaufwärts. Spannende unterhaltung ist das nicht. Ich bekomme langsam hunger. Für das mensaessen fehlt mir jetzt aber der weggegebene euro. Ich werde den bettler wohl fragen müssen, ob ich den euro zurückbekommen kann. Mal sehen, was er dazu sagt. Oder ich setze mich neben ihn, vielleicht gibt mir ja jemand einen euro, der mir jetzt fehlt. Nach kurzer bedenkzeit hole mir für zwei euro einen kleinen flachmann, weizenkorn, und setze mich einige meter entfernt von meinem bettler hin, zünde die zigarre an und nippe am korn. Den vorbeikommenden touristen nicke und proste ich zu und frage: „einen taler?“ sie sehen mich verständnislos und angewidert an und gehen schnell weiter. Keiner gibt mir einen euro. Wobei ich ja jetzt schon drei euro für das mensaessen bräuchte. Was mache ich nur falsch? Der von mir beschenkte bettler guckt mich böse an. Jetzt bin ich ein konkurrent. Als er verstärkung erhält und seinen kumpel mit einer geste auf mich aufmerksam macht, bekomme ich angst. Ich stehe auf und gehe zurück zur wohnung meiner freundin, schnappe mir ihr leergut und kaufe mir vom erlös eine tiefkühlpizza. Für den rest des tages bleibe ich in der wohnung. Das war heute schon wieder alles ein bisschen viel. Wenn ich heute abend meiner freundin diese geschichte erzähle, bekomme ich bestimmt wieder ärger. Auch betteln will gelernt sein, denke ich. Gleißendes sonnenlicht hin oder her.
bratapfel-süß-sauer - 19. Jul, 17:13