rausch u selbstgemachtes koks
gleich ist es soweit; ich kann kaum noch stillsitzen; gleich verbinden sich koffeein und nikotin in meinem blut zu einem speedball und lassen die ideen nur so sprudeln. Ich bin nicht mal verkatert. Beste voraussetzungen also, um eine gute geschichte zu schreiben. Ich sitze im sog. wife-beater (weißes feinripp-unterhemd) vorm laptop; meine ausgewaschene kurze hose schreit danach, mal wieder gewaschen zu werden. Ich schaue an mir runter und bin stolz auf meine geschnitten zehennägel. Richtige „schaufeln“ seien das gewesen, hatte meine freundin behauptet. Frauen haben eben keinen sinn für ökonomie. Es lohnt sich doch erst, wenn die dinger länger sind. Außerdem kann man die abgeschnittenen dinger dann besser vom teppich auflesen. zusätzlich habe ich mir mit einem hobel die hornhaut vom hacken weggehobelt. Als ich das ding danach ausleerte, kamen gefühlte 50g pulver aus der raspel. Bei näherer betrachtung des weißen pulverberges kam mir dann folgende idee: erinnert irgendwie an kokain. Hmm. Kann man damit nicht was machen? Zum glück hatte ich noch so kleine beutel in der küchenschublade, die an koks-portionier-tütchen erinnern. So eine holte ich zusammen mit einem kleinen löffel aus der küche und füllte die tüte mit 5g „koks“ auf. Wozu das ganze? Nun, ich habe schon in zig kriminalfilmen gesehen, dass der vermeintlich drogen aufgefunden habende polizist einen manuellen schnelltest durchführt, also seinen zeigefinger mit der zunge benetzt und in das jeweilige pulver taucht und zum mund zurückführt, um festzustellen, ob kokain, heroin oder zucker. Da ich mich schon so manches mal über „meinen freund und helfer“, der sich selten als solcher erwiesen hat, geärgert habe, würde es mir eine innere genugtuung verschaffen, wenn ich sähe, wie der mich überführende beamte mein „pulver“ auf seiner zunge verteilt. Ein teil meiner leser wird jetzt angewidert das gesicht verziehen. Macht nichts. Literatur muss weh tun bzw. innerlich bewegen. Ich werde also in zukunft diese 5g pulver mit mir führen und diese bei der nächsten kontrolle den beamten unauffällig zuspielen. Da freue ich mich schon drauf. Außerdem fällt mir bei näherer betrachtung meiner abgefeilten hautschuppen auf, dass sie es optisch (vielleicht auch geruchlich) durchaus mit feingeriebenem parmesan aufnehmen können. Vielleicht könnte ich das päckchen auch beim nächsten besuch beim „schmuddel“-italiener einsetzen. Wenn ich dann noch das gesundheitsamt einschalte, kann der seinen laden dicht machen. Woher kommt bloß meine boshaftigkeit? Bin ich mit mir unzufrieden? Oder nicht ausgeglichen?
bratapfel-süß-sauer - 2. Aug, 10:46