Dienstag, 3. September 2013

der große ausreißversuch

er saß um kurz vor acht an der bushaltestelle vor aldi und rauchte eine zigarette. Seine freundin lag noch im bett und schlief. Er konnte morgens nie besonders lange schlafen.
Jetzt wartete er darauf, dass sich die türen öffneten.
Er sah, wie eine alte schachtel mit grauem lockenkopf beim versuch den behindertenparkplatz mit ihrem golf zu treffen, einen ebenso gebrechlichen alten sack beinahe überfuhr.
Seiner meinung nach sollten eh alle über 80 den führerschein abgeben müssen. Und mit 70 eine eignungsprüfung. Selbst auf einem aldi-parkplatz war man sich seines lebens nicht mehr sicher.
Noch bevor er aufgeraucht hatte, erhielten die stets ungeduldigen einlass.
Er hatte es nicht eilig. Sie würde noch bis mindestens 10 uhr schlafen. Er genoss die einsamkeit der morgendlichen stunden.
Kaum hatte er vier brötchen geholt, saß er schon wieder rauchend an der bushaltestelle. Und sah den vorbeifahrenden bussen nach. Neue kippen werde er noch kaufen müssen, kam ihm in den sinn. Zum glück hatte das amt schon überwiesen. Das bedeutete weitere 382 € zum verleben. Um so richtig auf die kacke zu hauen, dachte er. In kneipen ging er aber schon lange nicht mehr. Nicht nur des geldes wegen.
In seiner wohnung warteten mehrere dutzend ungelesener bücher, günstig erworben. Einen fernsehanschluss besaßen sie auch. Trotzdem war ihm oft langweilig.
Einen hund hätte er gern gehabt. Aber die angst vor den tierarztkosten und dem vermieter hielten ihn davon ab.
Jetzt hielt schon der zweite bus vor ihm, ohne dass jemand ein- oder ausstieg.
Noch mal ganz neu anfangen, müsste man, dachte er. Alles hinter sich lassen. Und ganz von vorne anfangen. Einfach mit dem nächstbesten bus in die stadt fahren, dann zum bahnhof und weit, weit weg. Vielleicht an die nordsee. Oder nach hamburg. st. pauli. Oder nach süden. In die berge. Vielleicht mal münchen sehen.
Mit der miete hatte er knapp 800 € auf dem konto.
Als der nächste bus hielt, warf er die kippe weg und stieg ein.
10 tage später stand er übernächtigt, unrasiert und streng riechend wieder in der gemeinsamen wohnung. Er sagte nichts; und sie fragte auch nicht.
Er stieg in die badewanne, rasierte sich und ging wortlos zu bett.
Am nächsten morgen schlief er bis 10 uhr. Sie hatte bereits brötchen geholt. Danach ging alles weiter wie bisher.

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