zeit-abo setzt mich unter druck
sonntagmorgen. Die sonne scheint. Ein herrlicher warmer herbsttag. Oder haben wir noch spätsommer? Der Herbstbeginn fiel in diesem jahr auf den 22.9. kommt mir in den sinn. Also handelt es sich wohl um einen herbsttag. Weil es draußen so sonnig ist, fühle ich mich verpflichtet rauszugehen. An die frische luft. Stammt wohl noch aus kindheitstagen. Wenn die sonne scheint, muss man raus. Das wetter ausnutzen. Ich schaffe es aber nicht. Rauche jetzt schon den zweiten zigarillo und komme nicht raus. Schuld ist das feuilleton der zeit. Ich kann nicht raus, bevor ich es „durchgearbeitet“ habe. „was hast du denn für probleme?“ fragt sich jetzt vielleicht der ein oder andere blogleser.
Nun, ich habe seit ca. 4 monaten die „zeit“ abboniert. Seitdem blockiert jeden donnerstag ein dicker packen papier meinen briefkasten. Am anfang habe ich mich mit genuss auf die zeitung gestürzt. Wirklich viele artikel gelesen. Und war mit mir und der zeitung ganz zufrieden. Dann merkte ich nach der vierten oder fünften erhaltenen ausgabe: ich lese zwar viel in der zeitung über kultur und bücher, komme aber gar nicht mehr dazu, noch bücher direkt zu lesen. Wenn ich die zeit gewissenhaft durcharbeite.
Man muss dazu sagen, dass ich ein begeisterter roman-leser bin. Lese so ca. 2 romane pro woche (wenn sie nicht zu dick sind). Das macht pro jahr ca. 100 bücher. Bei gleichbleibendem lesetempo in 50 jahren 5000 bücher. Das ist nicht viel bei ca. 80.000 neuerscheinungen pro jahr. Man kann also nur eine ganz begrenzte auswahl an büchern in seinem leben lesen.
Und wenn man den anspruch hat, sich sowohl bei den klassikern (ein bißchen) auszukennen, aber auch aktuelle, heiß diskutierte literatur lesen möchte (um sich selbst ein bild machen zu können und nicht nur feuilleton-meinungen ungeprüft zu übernehmen), dann hat man zu tun. Muss sich also ranhalten. Freud und leid dicht beieinander. Bei dem vielleicht schönsten hobby der welt.
Nun hat aber das zeit-abo meinen leserhytmus emfindlich gestört. In den folgenden wochen las ich also immer weniger in der zeit und wieder vermehrt belletristik. Das führte dann am ende dazu, dass ich die neue zeit nur noch wütend aus dem briefkasten riss und auf den stapel der anderen noch ungelesenen ausgaben warf. Ich fühlte mich dem druck der zeit nicht mehr gewachsen.
Auf druck reagiere ich in den letzten jahren mit einer verweigerungshaltung.
Ich rief also meine mutter an und drängte ihr mein zeit-abo auf. Seit vier wochen blockiert nun kein zeitungs-backstein mehr meinen briefkasten. Dafür liest jetzt meine mutter weniger bücher.
Gestern kam ich auf die idee, wenigstens die feuilletons der noch ungelesenen, nun leicht veralteten zeit-ausgaben zu lesen. Ich hatte die hoffnung, damit schnell fertig zu werden, weil es zuvor manchmal schon vorgekommen war, dass mich kaum ein artikel des feuilletons groß interessiert hatte.
Jetzt, da der druck weg war, die aktuelle ausgabe vor der neuerscheinung gelesen haben zu müssen, las ich so gut wie alles, wobei mir der bayreuther reisebericht helene hegemanns besonders gut gefiel. Danach las ich dann im internet noch ein bißchen was über die plagiatsvorwürfe hinsichtlich hegemanns „axolotl roadkill“ und ärgerte mich, dass ich dieses buch noch nicht gelesen habe.
Heute habe ich mir also wieder einen älteren feuilletonteil vorgenommen. Und wollte diesen mal eben schnell durchblättern, bevor ich draußen das gute wetter genieße.
Auf der ersten seite ein langer artikel über kehlmanns neues buch „F“, den ich lesen musste. nun, ich bin wie wahrscheinlich millionen andere leser (allein über drei millionen verkaufte exemplare „die vermessung der welt“ in deutschland) ein großer fan kehlmanns. Kenne zumindest seine drei letzten romane, die mir alle gefallen haben und werde wohl auch „F“ lesen (sobald ich günstig dran komme). Dann las ich den nächsten artikel über die Verfilmuung von „feuchtgebiete“ (habe das buch nur halb gelesen und dann gelangweilt und nicht angewidert weggelegt) und schließlich moritz von uslars artikel über seinen besuch in helge schneiders haus. Helge schneider ist ein gott. Mehr gibt’s zu ihm nicht zu sagen. Und seit ich von uslars „deutschboden“ gelesen habe, lese ich auch sonst alles, was mir von ihm in die hände fällt.
Zwischendurch ängstlicher blick nach draußen, ob das wetter noch gut ist. Wie gesagt, eigentlich dürfte ich gar nicht lesend in meinem wohnzimmer hocken.
Nach dem auch moritz und helge durchgearbeitet waren, wollte ich eigenlich schon los. Dann sah ich, dass im nächsten artikel iljoma mangold helene hegemanns neuen roman „jage zwei tiger“ besprach. Iljoma mangold mag ich aufgrund seiner ruhigen, unaufdringlichen art in TV-Sendungen und seiner treffenden, häufig lobenden kommentare. Also diesen artikel auch schnell noch.
Dann noch die besprechung zu clemens meyers roman „im stein“. Clemens meyer ist vielleicht mein lieblingsautor und liest am 21.10. im blue note in osnabrück aus dem roman. Ich werde da sein.
Als ich dann endlich den nun ausgelesenen feuilleton-teil weglegen konnte und dabei war schuhe und jacke anzuziehen, sah ich durchs küchenfenster, dass es nun angefangen hatte, zu regnen.
Na toll, dachte ich. Ich fuhr den computer hoch und fing an in einem spiel sinnlos rumzuballern. Jetzt wo es regnete, hatte ich keine lust mehr zu lesen.
Nun, ich habe seit ca. 4 monaten die „zeit“ abboniert. Seitdem blockiert jeden donnerstag ein dicker packen papier meinen briefkasten. Am anfang habe ich mich mit genuss auf die zeitung gestürzt. Wirklich viele artikel gelesen. Und war mit mir und der zeitung ganz zufrieden. Dann merkte ich nach der vierten oder fünften erhaltenen ausgabe: ich lese zwar viel in der zeitung über kultur und bücher, komme aber gar nicht mehr dazu, noch bücher direkt zu lesen. Wenn ich die zeit gewissenhaft durcharbeite.
Man muss dazu sagen, dass ich ein begeisterter roman-leser bin. Lese so ca. 2 romane pro woche (wenn sie nicht zu dick sind). Das macht pro jahr ca. 100 bücher. Bei gleichbleibendem lesetempo in 50 jahren 5000 bücher. Das ist nicht viel bei ca. 80.000 neuerscheinungen pro jahr. Man kann also nur eine ganz begrenzte auswahl an büchern in seinem leben lesen.
Und wenn man den anspruch hat, sich sowohl bei den klassikern (ein bißchen) auszukennen, aber auch aktuelle, heiß diskutierte literatur lesen möchte (um sich selbst ein bild machen zu können und nicht nur feuilleton-meinungen ungeprüft zu übernehmen), dann hat man zu tun. Muss sich also ranhalten. Freud und leid dicht beieinander. Bei dem vielleicht schönsten hobby der welt.
Nun hat aber das zeit-abo meinen leserhytmus emfindlich gestört. In den folgenden wochen las ich also immer weniger in der zeit und wieder vermehrt belletristik. Das führte dann am ende dazu, dass ich die neue zeit nur noch wütend aus dem briefkasten riss und auf den stapel der anderen noch ungelesenen ausgaben warf. Ich fühlte mich dem druck der zeit nicht mehr gewachsen.
Auf druck reagiere ich in den letzten jahren mit einer verweigerungshaltung.
Ich rief also meine mutter an und drängte ihr mein zeit-abo auf. Seit vier wochen blockiert nun kein zeitungs-backstein mehr meinen briefkasten. Dafür liest jetzt meine mutter weniger bücher.
Gestern kam ich auf die idee, wenigstens die feuilletons der noch ungelesenen, nun leicht veralteten zeit-ausgaben zu lesen. Ich hatte die hoffnung, damit schnell fertig zu werden, weil es zuvor manchmal schon vorgekommen war, dass mich kaum ein artikel des feuilletons groß interessiert hatte.
Jetzt, da der druck weg war, die aktuelle ausgabe vor der neuerscheinung gelesen haben zu müssen, las ich so gut wie alles, wobei mir der bayreuther reisebericht helene hegemanns besonders gut gefiel. Danach las ich dann im internet noch ein bißchen was über die plagiatsvorwürfe hinsichtlich hegemanns „axolotl roadkill“ und ärgerte mich, dass ich dieses buch noch nicht gelesen habe.
Heute habe ich mir also wieder einen älteren feuilletonteil vorgenommen. Und wollte diesen mal eben schnell durchblättern, bevor ich draußen das gute wetter genieße.
Auf der ersten seite ein langer artikel über kehlmanns neues buch „F“, den ich lesen musste. nun, ich bin wie wahrscheinlich millionen andere leser (allein über drei millionen verkaufte exemplare „die vermessung der welt“ in deutschland) ein großer fan kehlmanns. Kenne zumindest seine drei letzten romane, die mir alle gefallen haben und werde wohl auch „F“ lesen (sobald ich günstig dran komme). Dann las ich den nächsten artikel über die Verfilmuung von „feuchtgebiete“ (habe das buch nur halb gelesen und dann gelangweilt und nicht angewidert weggelegt) und schließlich moritz von uslars artikel über seinen besuch in helge schneiders haus. Helge schneider ist ein gott. Mehr gibt’s zu ihm nicht zu sagen. Und seit ich von uslars „deutschboden“ gelesen habe, lese ich auch sonst alles, was mir von ihm in die hände fällt.
Zwischendurch ängstlicher blick nach draußen, ob das wetter noch gut ist. Wie gesagt, eigentlich dürfte ich gar nicht lesend in meinem wohnzimmer hocken.
Nach dem auch moritz und helge durchgearbeitet waren, wollte ich eigenlich schon los. Dann sah ich, dass im nächsten artikel iljoma mangold helene hegemanns neuen roman „jage zwei tiger“ besprach. Iljoma mangold mag ich aufgrund seiner ruhigen, unaufdringlichen art in TV-Sendungen und seiner treffenden, häufig lobenden kommentare. Also diesen artikel auch schnell noch.
Dann noch die besprechung zu clemens meyers roman „im stein“. Clemens meyer ist vielleicht mein lieblingsautor und liest am 21.10. im blue note in osnabrück aus dem roman. Ich werde da sein.
Als ich dann endlich den nun ausgelesenen feuilleton-teil weglegen konnte und dabei war schuhe und jacke anzuziehen, sah ich durchs küchenfenster, dass es nun angefangen hatte, zu regnen.
Na toll, dachte ich. Ich fuhr den computer hoch und fing an in einem spiel sinnlos rumzuballern. Jetzt wo es regnete, hatte ich keine lust mehr zu lesen.
bratapfel-süß-sauer - 30. Sep, 11:01