Donnerstag, 10. Oktober 2013

eine traurige geschichte

manchmal bin ich über die verantwortungslosigkeit und den egoismus einiger leute immer noch ganz erstaunt. Und das, obwohl uns egoismus ja heute als tugend verkauft wird. Man muss an sich denken, sich durchsetzen usw..

Als ich damals in göttingen studierte, wohnte in meiner nachbarschaft ein mittelaltes paar, beide ende dreißig. Sie wirkten nett, aufgeschlossen und lebenslustig. Sie hatten eine sechsjährige tochter, clara. Täglich schoben sie diese in einem rollstuhl durch unsere nachbarschaft. clara war zu hundert prozent körperlich und geistig schwerbehindert. Bedurfte also einer vollzeit-betreuung. Ich bewunderte die eltern. Die ihre tochter – trotz allem – liebten und sich aufopferungsvoll um sie kümmerten. Und sie nicht etwa in eine entsprechende einrichtung abschoben; wobei ich eltern, die dies tun, nicht verurteilen würde. Nicht jeder hat die kraft, sich um ein solches kind selbst zu kümmern.
Als ich später mal zu besuch bei ihnen auf der Terrasse saß und ich mich traute zu fragen, wie sie das so alles schafften - er arbeitete außerdem in der werbebranche und hatte so die möglichkeit, seine arbeitszeit flexibel einzuteilen; sie hatte noch einen 400-Euro-Job, um ab und zu mal „rauszukommen“ - erklärten sie mir: die ersten monate nach der geburt seien sehr schwer gewesen; sie hätten mit allem gehadert, nicht gewusst, ob sie es allein mit dem kind schaffen, ob ihre ehe das aushält, ob sie noch ein glückliches leben führen könnten. Aber je älter clara geworden sei, um so größer sei die liebe zu ihr geworden und heute könnten sie sich ein leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen. Schwer beeindruckt von diesen beiden menschen ging ich an diesem abend nach hause.

Jetzt wohne ich seit über sechs jahren nicht mehr in göttingen und habe seit meinem umzug von den dreien nichts mehr gehört. Ich glaubte voller bewunderung fest daran, dass diese drei es gemeinsam schaffen würden.
Nun habe ich gestern von einer bekannten erfahren, die immer noch in ihrer nachbarschaft wohnt, dass sich die beiden getrennt haben. Und sich die mutter nun allein um clara kümmert. Das tut mir leid. Das war aber noch nicht alles, was meine bekannte zu berichten wusste.
Er habe all die jahre eine affäre gehabt; habe sich während seiner „arbeitszeit“ überwiegend bei der anderen frau aufgehalten und drücke sich jetzt vor unterhaltszahlungen, indem er einfach mit seinem verdienst unter der pfändungsfreigrenze bleibe und so finanziell nicht herangezogen werden könne. Er sei auch in eine andere stadt gezogen und wolle wohl mit seiner tochter nichts mehr zu tun haben.
Die mutter säße jetzt heulend zu hause und stünde kurz vorm zusammenbruch.

Ich war schockiert. Zuerst weil ich so leichtgläubig auf ihn hereingefallen war („können uns ein leben ohne clara nicht mehr vorstellen“). Und dann, weil ich mir nicht erklären konnte, warum er sich auch noch vor den unterhaltszahlungen drückt. Zusätzlich zu allem leid hatten jetzt mutter und tochter auch noch finanzielle schwierigkeiten. Je länger ich darüber nachdachte, umso wütender wurde ich. Wie kann man nur so egoistisch und verantwortungslos sein, fragte ich mich.

Am ende tragen in der regel die alleinerziehenden mütter die ganze last, wenn sich die männer einfach verpissen. Oft habe ich das nicht glauben wollen.
Ich kann nur hoffen, dass ich anders handeln würde. Zwar steht es ja keinem zu über andere zu richten (wer ist schon selbst frei von sünde), aber manchmal wünsche ich mir, dass es doch himmel und hölle gibt und man nach dem tod für seine taten zur rechenschaft gezogen wird.
Was für eine traurige geschichte.

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