Mittwoch, 5. Juni 2013

betrügende ausländer

bis vor kurzem war ich in besitz eines goldringes; es war nicht der „ring der nibelungen“, nicht der ring aus lessings „ring-parabel“ und auch nicht tolkiens „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ ; ferner nicht der „ring der O“ (einschub: Der Ring der O ist ein besonderer Fingerring, der seit den 1990er Jahren ein im deutschsprachigen Raum verbreitetes Schmuckstück und Erkennungszeichen für Anhänger des BDSM, umgangssprachlich sadomaso, ist. Er erhielt seinen Namen nach einem Ring, den die Protagonistin O in dem klassischen BDSM-Roman Geschichte der O von Pauline Réage trägt (vgl. wikipedia).)
es war vielmehr ein einfacher goldener siegelring (585er Gold, 14 karat) mit einem ovalen onyx-stein. Mein opa hat einen solchen ring zu besonderen anlässen getragen wie wahrscheinlich unzählige andere rentner, die zeit ihres lebens kein ausgeprägtes modebewusstsein entwickelt haben.
Der von mir versetzte ring war aber nicht der meines opas. Vielmehr habe ich jenen im alter von ca. 10 jahren im eingang eines kaufhauses auf dem boden gefunden. Und sicherheitshalber erst mal eingesteckt. Irgendwann haben meine eltern den ring dann bei mir gefunden und ihn mir, auch „sicherheitshalber“ abgenommen. Das ist jetzt ca. 20 jahre her. Ich wusste gar nicht, dass es den ring überhaupt noch gibt. Eigentlich hätte er zum fundbüro gebracht werden müssen. Haben wohl alle beteiligen irgendwie „vergessen“. Verjährt so etwas eigentlich nach 20 jahren? Oder hat eine ersitzung im juristischen sinne stattgefunden? Ich weiß es nicht. Und weigere mich auch, nach dem ich den ring zu geld gemacht habe, darüber recherchen einzuholen.
Da ich in letzter zeit chronisch unter geldmangel leide, der schriftsteller andreas altmann hielt seine chronische geldnot gar für angeboren, und der goldpreis sich seit 1990 circa verdreifacht hat, sollte es sich also lohnen, den ring nun zu verkaufen.
Um mich nicht zu leicht übers ohr hauen zu lassen, nahm ich mir vor, verschiedene goldankäufer aufzusuchen, um angebote einzuholen. Das war sehr interessant. Den meine vorurteile bestätigten sich, mal wieder, überhaupt nicht. Ich hätte gedacht, dass man bei einem seriösen deutschen juwelier mehr geld bekommt als in dubiösen hinterhofgeschäften, in welchen die inhaber kaum deutsch sprechen. Um es kurz zu machen: die „seriösen“ deutschen juweliere boten mir 50 bzw. 60 €. eine gelangweilte deutsche mit handtaschenhund unter dem schreibtisch und mäßig gepflegter einrichtung immerhin 70 €. das zunächst beste angebot mit 76 € erhielt ich in einem laden mit lauter „kopftuch-frauen“. Diese waren sehr nett, sprachen gut deutsch und fast hätte ich ihr angebot angenommen. Meine freundin hielt mich aber zurück, um noch ein letztes angebot einzuholen. Hierzu klingelten wir an einem runtergekommenen laden – weit außerhalb der innenstadt - mit elektischem türöffner, der irgendwie geschlossen aussah. Das merkte ich aber erst, nachdem ich geklingelt hatte. Die auslagen waren leer geräumt und der boden mit baufolie ausgelegt. Wir wollten schon wieder gehen, als der elektische türöffner summte. Zögernd betraten wir den laden und meine faust schloss sich fester um den ring. Ich nahm eine eine gespannte haltung ein, darauf gefasst, mit einem knüppel von hinten niedergestreckt zu werden. Wer weiß, was sie meiner freundin antun werden, dachte ich. Von der decke hing auch baufolie und wasser tropfte in bereitgestellte maurerkübel. Ich blickte verstört in den hinteren teil des ladens. Dort stand durch panzerglas vor der kundschaft geschützt ein lächelnder, meiner meinung nach nordafrikanisch aussehender, gepfleger mann und rief: „wasserschaden, wasserschaden! Bitte reinkommen.“ ich ging bis zur theke und erklärte mein anliegen. Der ankäufer nahm den ring, klemmte sich eine diamantlupe ins auge, nickte wohlwollend und legte den ring auf eine waage. „woher kommt den der wasserschaden? ausgelaufene waschmaschine? fragte ich ihn. er antwortete: „verdammten studenten, werfen alles in ausguß, bis dieser verstopft; und vermieter kümmert sich nicht“. Ich nickte schuldbewusst. „112 €“ könne er mir dafür bieten. Ohne zu zögern nahm ich sein angebot an. Prompt lud ich meine freundin zum essen ein. Natürlich nur zum billig-italiener, den der ring sollte ja nicht gleich für ein mittagessen draufgehen. Beim essen dachte ich über die vorurteile vieler deutscher gegenüber vermeintlich betrügenden ausländern nach. Nach dieser geschichte hatte ich eher das gefühl, dass mich die deutschen juweliere hatten betrügen wollen. Ich erinnerte mich noch, dass der deutsche juwelier mit dem niedrigsten angebot, von wem auch immer, vielleicht von der zeitschrift „gold und hund“, zum goldankäufer des jahres 2010, 2011 und 2012 gekürt worden war.

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