der selbstmörder
„Ich will nichts anderes machen als das hier – und zwar in bestform – und erfüll mal wieder mit links die testnorm“ (dendemann)
ich sitze lesend auf einer parkbank in den bremer wallanlagen und bin glücklich. Das passiert mir in letzter zeit ein wenig zu oft. Das macht mir ein bisschen angst. Vielleicht liegt es ja auch nur am wetter oder an der dosierungserhöhung des antidepressivums.
Also, ein weiterer herrlicher sommertag, den ich zum glück in der natur und nicht in einem muffigen büro verbringe. Die weser fließt gelassen vorbei, die möwen kreischen und niemand scheint es eilig zu haben. Die sonne und die wärme scheint den menschen gut zu tun.
Neben mir auf einer weiteren parkbank sitzt ein älterer asiate, ca. mitte vierzig, im schatten. Ich tippe auf japan oder südkorea als herkunftsland. Sehr steif und ordentlich sitzt er da und starrt auf das vorbeifließende wasser. Graue bügelfaltenhose, kurzärmliges hellblaues hemd, unscheinbare frisur. Er macht keinen allzu glücklichen eindruck.
Vielleicht ist er, wie ich, arbeitslos und kommt damit nicht zurecht, reime ich mir zusammen. Haben ja ein ganz anderes ehrgefühl, diese japaner, meine ich zu wissen. Die koreaner wohl auch. Die schämen sich wenigstens noch, arbeitslos zu sein.
Meine gedanken ziehen weitere kreise und ich denke darüber nach, ob er vielleicht gleich eine pistole zieht und sich erschießt. Hoffentlich kein amokläufer, denke ich ganz egoistisch.
Anderseits waren die letzten drei jahre im vergleich zu den vorherigen derartig schön, dass ich damit leben könnte (bzw. dann nicht mehr), erschossen zu werden. Was für ein brutaler gedanke, überkommt es mich. Er macht mir sofort nach dem durchdenken angst. Aber ich bleibe dabei. Vielleicht haben die menschen am meisten angst vor dem tod, die mit ihrem leben unzufrieden sind und/oder nicht das leben leben, das sie gerne führten. Interessanter gedanke.
Ich glaube ferner, dass auch die menschen im hohen alter dem tod gelassener entgegensehen, die das gefühl haben, „ihr“ leben gelebt zu haben. Die frage müsste ich mal in meinem bekanntenkreis zur diskussion stellen.
Verhält es sich eventuell ähnlich mit der angst? Je unzufriedener, desto ängstlicher? Weiß nicht.
Je zufriedener, desto angstfreier? Möglich. Aber: ich kann nicht für jede meiner behauptungen eine untermauernde psychologische studie heraussuchen.
Während ich noch so vor mich hin sinniere, ist mein asiatischer selbstmord-nachbar im sitzen eingeschlafen. Zumindest wirkt es so: geschlossene augen und eine ruhige, gleichmäßige atmung. Eine pistole scheint er auch nicht bei sich zu tragen. Wohl zu unrecht des amoklaufs verdächtigt. Ich sollte manchmal etwas weniger herumphantasieren. Man kann ja nicht ständig irgendwelche leute zu unrecht verdächtigen. Als hätte er es gehört, schlägt er die augen auf und sieht mich fragend an. Ich blicke schuldbewusst zu boden. Andererseits: wer hat den hier den selbstmörder gemimt? Ich stehe auf und gehe zum weserufer. Dort angekommen höre ich einen knall, der an einen pistolenschuss erinnert, und weiß genau, dass er nicht von meinem vorherigen sitznachbarn stammt. Unzufrieden gehe ich nach hause.
ich sitze lesend auf einer parkbank in den bremer wallanlagen und bin glücklich. Das passiert mir in letzter zeit ein wenig zu oft. Das macht mir ein bisschen angst. Vielleicht liegt es ja auch nur am wetter oder an der dosierungserhöhung des antidepressivums.
Also, ein weiterer herrlicher sommertag, den ich zum glück in der natur und nicht in einem muffigen büro verbringe. Die weser fließt gelassen vorbei, die möwen kreischen und niemand scheint es eilig zu haben. Die sonne und die wärme scheint den menschen gut zu tun.
Neben mir auf einer weiteren parkbank sitzt ein älterer asiate, ca. mitte vierzig, im schatten. Ich tippe auf japan oder südkorea als herkunftsland. Sehr steif und ordentlich sitzt er da und starrt auf das vorbeifließende wasser. Graue bügelfaltenhose, kurzärmliges hellblaues hemd, unscheinbare frisur. Er macht keinen allzu glücklichen eindruck.
Vielleicht ist er, wie ich, arbeitslos und kommt damit nicht zurecht, reime ich mir zusammen. Haben ja ein ganz anderes ehrgefühl, diese japaner, meine ich zu wissen. Die koreaner wohl auch. Die schämen sich wenigstens noch, arbeitslos zu sein.
Meine gedanken ziehen weitere kreise und ich denke darüber nach, ob er vielleicht gleich eine pistole zieht und sich erschießt. Hoffentlich kein amokläufer, denke ich ganz egoistisch.
Anderseits waren die letzten drei jahre im vergleich zu den vorherigen derartig schön, dass ich damit leben könnte (bzw. dann nicht mehr), erschossen zu werden. Was für ein brutaler gedanke, überkommt es mich. Er macht mir sofort nach dem durchdenken angst. Aber ich bleibe dabei. Vielleicht haben die menschen am meisten angst vor dem tod, die mit ihrem leben unzufrieden sind und/oder nicht das leben leben, das sie gerne führten. Interessanter gedanke.
Ich glaube ferner, dass auch die menschen im hohen alter dem tod gelassener entgegensehen, die das gefühl haben, „ihr“ leben gelebt zu haben. Die frage müsste ich mal in meinem bekanntenkreis zur diskussion stellen.
Verhält es sich eventuell ähnlich mit der angst? Je unzufriedener, desto ängstlicher? Weiß nicht.
Je zufriedener, desto angstfreier? Möglich. Aber: ich kann nicht für jede meiner behauptungen eine untermauernde psychologische studie heraussuchen.
Während ich noch so vor mich hin sinniere, ist mein asiatischer selbstmord-nachbar im sitzen eingeschlafen. Zumindest wirkt es so: geschlossene augen und eine ruhige, gleichmäßige atmung. Eine pistole scheint er auch nicht bei sich zu tragen. Wohl zu unrecht des amoklaufs verdächtigt. Ich sollte manchmal etwas weniger herumphantasieren. Man kann ja nicht ständig irgendwelche leute zu unrecht verdächtigen. Als hätte er es gehört, schlägt er die augen auf und sieht mich fragend an. Ich blicke schuldbewusst zu boden. Andererseits: wer hat den hier den selbstmörder gemimt? Ich stehe auf und gehe zum weserufer. Dort angekommen höre ich einen knall, der an einen pistolenschuss erinnert, und weiß genau, dass er nicht von meinem vorherigen sitznachbarn stammt. Unzufrieden gehe ich nach hause.
bratapfel-süß-sauer - 19. Jul, 17:13