Freitag, 19. Juli 2013

ein text, nur für mich

Manchmal ärgere ich mich über die banalität meiner texte. Sie mögen ja meist ganz ordentlich, also in passablem deutsch geschrieben sein, aber es steht fast nichts drin. Von einer handlung oder einem spannungsbogen ganz zu schweigen. Der ich-erzähler, der mir überwiegend gleicht, eiert mit mehr oder weniger offenen augen durch die welt und beschreibt, was er sieht. In der regel geht das nicht über das vom leser wahrgenommene hinaus. Manchmal reicht es für ein nicken oder schmunzeln des lesers. Lachanfälle oder große gefühle werden nicht ausgelöst. Es ist, als fehlte mir der stoff zum schreiben. Vielleicht müsste ich mehr erleben oder mehr erlebt haben, um große geschichten zu schreiben. Aber ich kann mich doch nicht bewusst in eine heroinabhängigkeit stürzen, nur um ein buch wie „rohstoff“ von fauser oder „junkie“ von burroughs zu schreiben. Also keine erfahrungsberichte über illegale drogen, nur über die, die der leser selbst kennt. Außerdem nur geschichten aus osnabrück, bremen oder bonn und nicht aus new york, london oder paris. Ich könnte ja mal nach berlin fahren. Andererseits gibt es schon genug berliner geschichten.
Bukowski hat auch nur über seinen alltag und seine nähere umgebung geschrieben, fällt mir ein. Aber dieser und diese haben sich durch seinen dauersuff, nutten und pferdewetten oder gelegentliche lesungen doch vom alltag der (zumindest deutschen) leser wohl erheblich unterschieden.
Irgendeine zeitung, vermutlich die „zeit“ hat auf stuckrad-barres popularitätshöhepunkt sinngemäß geschrieben, vermutlich eine rezension zu „black box“: der autor hat nichts zu erzählen, aber er tut dies wunderbar. Oder so ähnlich. Ich erzähle in meinen geschichten oft noch weniger als er: ich hab nichts zu erzählen und tue dies auch nur mittelmäßig gut. Na toll.
Trotzdem ist mir das schreiben oft ein inneres bedürfnis; trost, befriedigung, selbstvergewisserung oder selbstgespräch mit befreiender wirkung.
Zum schreiben gehört aber auch das lesen. Das eine geht nicht ohne das andere; wenigstens gilt das für mich. Und so habe ich eigentlich immer etwas zu tun, da ich die mehrzahl der geschriebenen bücher noch nicht gelesen habe (und dies wahrscheinlich auch nie schaffen werde).
Wieder zurück zum schreiben: hatte ich früher nur ein tagebuch, das mehr und mehr zu einer art „aus-kotz-buch“ wurde, insbesondere im studium, reicht mir heute meist das schreiben von geschichten, um das meiste loszuwerden. Man könnte meinen, ich sei soweit mit meinem leben zufrieden, dass ein regelmäßiges schriftliches erbrechen nicht mehr nötig ist. Vielleicht stimmt das ja. Vielleicht verdränge ich aber auch nur alles unangenehme. Mal sehen, wann das verdrängte wieder hochkommt, an die innere schädeldecke klopft, und sich unaufhaltsam gehör verschaffen wird. Wohlmöglich gelingen mir ja dann geschichten mit mehr inhalt, mehr tiefe. Abwarten und weiter tippen.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

leben, glück und so
pubertärer besinnungsaufsatz für gleichgesinnte manchmal.. .
bratapfel-süß-sauer - 17. Mär, 11:19
kleider machen leute
ich sitze auf der dachterrasse des cafes panorama mit...
bratapfel-süß-sauer - 4. Mär, 16:56
kontrolle, sparwahn u...
es gibt tatsächlich leute, die mitzählen, also eine...
bratapfel-süß-sauer - 31. Jan, 12:29
die bedeutung des geldes
geld ist mir eigentlich ziemlich scheißegal. Solange...
bratapfel-süß-sauer - 30. Jan, 01:52
Ab wann das Alter "sehr...
Ab wann das Alter "sehr fortgeschritten" ist, lasse...
iGing - 23. Jan, 18:37

Links

Suche

 

Status

Online seit 4567 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:09

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren