Elite und FDP-Wähler
Einer meiner studienfreunde kam mit gutem abitur, abgelegt an einem wirtschaftsgymnasium, und stolzgeschwellter brust an die uni und sah sich schon zukünftig als verfassungsrichter bedeutungsschwere urteile für die bundesrepublik fällen oder im porsche bei einer elite-anwaltskanzlei vorfahren.
Er war damals – und hat daraus auch nie einen hehl gemacht – überzeugter FDP-Wähler. Jeder kann aus eigener kraft alles erreichen. Man muss es nur wollen und fleißig sein. Das war sein motto.
Während der nächsten semester war er fleißig; hat gelernt und sich redlich bemüht. und ist am ende durch´s erste juristische staatsexamen gefallen. Zwischenzeitlich hielt er dem druck kaum noch stand, erkrankte an depressionen und merkte, dass es eine ganze menge leute gab, die – obwohl sie weniger lernten als er – bessere noten und eine ganze menge mehr drauf hatten als er. Intelligentere, die komplizierte sachverhalte nach dem ersten lesen sofort begriffen hatten, während er noch mit den ersten sätzen haderte. Er hat dann zum glück beim zweiten versuch das erste staatsexamen (gerade so) geschafft und das zweite staatsexamen dann mit hängen und würgen auch im zweiten versuch. Nach diesen erfahrungen war er dann plötzlich nicht mehr überzeugter FDP-Wähler.
Plötzlich forderte auch er, zwischendurch selbst vom beruflichen scheitern und möglicher arbeitslosigkeit bedroht, dass der staat menschen helfen und die schwachen auffangen müsse.
Es kann wohl doch nicht jeder alles erreichen, wenn er sich nur genug anstrengt, war jetzt wohl auch seine überzeugung. Schmerzhaft am eigenen leib erfahren.
So weit, so gut.
Wenn ich dann aber leute schreien höre: „wir brauchen in deutschland wieder eliten“, dann wundere ich mich oft darüber, wer dies einfordert. Häufig sind dies ja leute, die sich selbst für elitär halten und sich gegenüber den anderen dummen, den durchschnittlichen, den „minderleistern“ abgrenzen wollen. Sie brauchen elitenbildung, um sich selbst noch geiler zu fühlen.
Annette schavan und guido westerwelle, bekennende eliten-bildungs-befürworter, sind doch keine „elite“! Sie verlor aufgrund von schummeleien erst ihren doktortitel und dann ihr ministeramt. Westerwelle hat seine beiden juraexamina gerade so mit „ausreichend“ bestanden. Das ist doch nicht elitär!
Wenn ich ferner von vermeintlichen elite-studenten oder anderen hochqualifizierten sätze höre wie:
„wenn jemand für 3 € pro stunde putzen gehen möchte, warum lassen wir ihn dann nicht?“ oder: „die leute scheitern doch beruflich nicht, weil sie zu dumm sind, sondern zu faul; sich also nicht genug anstrengen.“, dann kriege ich das kotzen.
Mancher unternehmsberater, der sich für superman hielt und am liebsten sämtliche sozialen sicherungssysteme abschaffen wollte, ist dann nach seiner ersten schweren depression (man spricht lieber von burn-out, weil das nach „arbeiten-bis-zum-umfallen“ klingt und nicht so schwach und kränklich wie „depressive erkrankung“,) plötzlich sehr froh, dass er von einem sozialsystem aufgefangen wird, dass er zuvor noch für völlig überflüssig hielt.
Noch mal etwas anders formuliert: kein mensch sucht sich aus, mit welchem IQ er auf die welt kommt. Trotzdem bilden sich einige unheimlich was ein, auf ihre intelligenz. Als hätten sie sich erarbeitet. Nein, haben sie nicht. Wer mit einem überdurchschnittlichen IQ zur welt gekommen ist, hat einfach glück gehabt. Ebenso wenig haben sich ja besonders schöne menschen ihre schönheit erarbeitet.
Genau so wie es unterschiedlich intelligente menschen gibt, gibt es auch sehr belastbare menschen und eben solche, die es nicht sind. Den zuletzt genannten dann einfach faulheit zu unterstellen, ist leicht, aber unzutreffend.
Forderte jemand eine elite, also besonders leistungsstarke leute, um den schwachen zu helfen, diese mitzuziehen, die sozialen sicherungssysteme auszubauen usw., hätte ich gar nichts gegen diese forderung. Aber als zusätzliches abgrenzungskriterium („ihr seid doof und wir elite“) für finanziell bessergestellte egomanen brauche ich den begriff „elite“ nicht.
Er war damals – und hat daraus auch nie einen hehl gemacht – überzeugter FDP-Wähler. Jeder kann aus eigener kraft alles erreichen. Man muss es nur wollen und fleißig sein. Das war sein motto.
Während der nächsten semester war er fleißig; hat gelernt und sich redlich bemüht. und ist am ende durch´s erste juristische staatsexamen gefallen. Zwischenzeitlich hielt er dem druck kaum noch stand, erkrankte an depressionen und merkte, dass es eine ganze menge leute gab, die – obwohl sie weniger lernten als er – bessere noten und eine ganze menge mehr drauf hatten als er. Intelligentere, die komplizierte sachverhalte nach dem ersten lesen sofort begriffen hatten, während er noch mit den ersten sätzen haderte. Er hat dann zum glück beim zweiten versuch das erste staatsexamen (gerade so) geschafft und das zweite staatsexamen dann mit hängen und würgen auch im zweiten versuch. Nach diesen erfahrungen war er dann plötzlich nicht mehr überzeugter FDP-Wähler.
Plötzlich forderte auch er, zwischendurch selbst vom beruflichen scheitern und möglicher arbeitslosigkeit bedroht, dass der staat menschen helfen und die schwachen auffangen müsse.
Es kann wohl doch nicht jeder alles erreichen, wenn er sich nur genug anstrengt, war jetzt wohl auch seine überzeugung. Schmerzhaft am eigenen leib erfahren.
So weit, so gut.
Wenn ich dann aber leute schreien höre: „wir brauchen in deutschland wieder eliten“, dann wundere ich mich oft darüber, wer dies einfordert. Häufig sind dies ja leute, die sich selbst für elitär halten und sich gegenüber den anderen dummen, den durchschnittlichen, den „minderleistern“ abgrenzen wollen. Sie brauchen elitenbildung, um sich selbst noch geiler zu fühlen.
Annette schavan und guido westerwelle, bekennende eliten-bildungs-befürworter, sind doch keine „elite“! Sie verlor aufgrund von schummeleien erst ihren doktortitel und dann ihr ministeramt. Westerwelle hat seine beiden juraexamina gerade so mit „ausreichend“ bestanden. Das ist doch nicht elitär!
Wenn ich ferner von vermeintlichen elite-studenten oder anderen hochqualifizierten sätze höre wie:
„wenn jemand für 3 € pro stunde putzen gehen möchte, warum lassen wir ihn dann nicht?“ oder: „die leute scheitern doch beruflich nicht, weil sie zu dumm sind, sondern zu faul; sich also nicht genug anstrengen.“, dann kriege ich das kotzen.
Mancher unternehmsberater, der sich für superman hielt und am liebsten sämtliche sozialen sicherungssysteme abschaffen wollte, ist dann nach seiner ersten schweren depression (man spricht lieber von burn-out, weil das nach „arbeiten-bis-zum-umfallen“ klingt und nicht so schwach und kränklich wie „depressive erkrankung“,) plötzlich sehr froh, dass er von einem sozialsystem aufgefangen wird, dass er zuvor noch für völlig überflüssig hielt.
Noch mal etwas anders formuliert: kein mensch sucht sich aus, mit welchem IQ er auf die welt kommt. Trotzdem bilden sich einige unheimlich was ein, auf ihre intelligenz. Als hätten sie sich erarbeitet. Nein, haben sie nicht. Wer mit einem überdurchschnittlichen IQ zur welt gekommen ist, hat einfach glück gehabt. Ebenso wenig haben sich ja besonders schöne menschen ihre schönheit erarbeitet.
Genau so wie es unterschiedlich intelligente menschen gibt, gibt es auch sehr belastbare menschen und eben solche, die es nicht sind. Den zuletzt genannten dann einfach faulheit zu unterstellen, ist leicht, aber unzutreffend.
Forderte jemand eine elite, also besonders leistungsstarke leute, um den schwachen zu helfen, diese mitzuziehen, die sozialen sicherungssysteme auszubauen usw., hätte ich gar nichts gegen diese forderung. Aber als zusätzliches abgrenzungskriterium („ihr seid doof und wir elite“) für finanziell bessergestellte egomanen brauche ich den begriff „elite“ nicht.
bratapfel-süß-sauer - 19. Sep, 14:16