Dienstag, 14. Mai 2013

wochenende in hemmoor

So geht das nicht. Auf kommando küsst einen die muse nicht. Also mich jedenfalls nicht. Ich sitze vorm laptop und will über das vergangene wochenende schreiben. Ein wilder trip in die weltstadt hemmoor; der name klingt schon nach abenteuer, verrauchten bars und leichten mädchen. Nein, es ist eher ein kleines norddeutsches kaff mit reetgedeckten häusern und ruhigen, ausgeglichenen bewohnern. So zumindest unsere herbergseltern. Ich hatte mir überlegt, dass ich einen abend unseres trips aus der sicht drei verschiedener mitgereister darstellen werde und so deutlich mache, wie unterschiedlich die leute den abend (möglicherweise) wahrgenommen haben. Der eine hat sich amüsiert, der nächste war genervt und der letzte hat sich vielleicht ernsthafte gedanken gemacht, dann aber trotzdem mitgesoffen.
Als ich mich also mit stift, papier, kaffee und zigarillo hinsetzte, um zu schreiben, merkte ich schnell: das geht so nicht. Ich kann mich nicht richtig konzentrieren. Und heute noch weniger in andere leute hineinversetzen. Auch weiß ich nicht, was wohl vom wochenende erzählenswert ist.
So stockt die ganze geschichte schon am anfang, bis ich mich darauf besinne, dass ich, wie sonst auch, am besten einfach nur losschreibe, ohne mir allzu viele gedanken zu machen, und am ende gucke, ob es teilweise verwertbar ist.
Nun, für die unbeteiligten (und vielleicht schon gelangweilten) blogleser eine kleine einführung: ich habe das glück, über einen relativ großen freundeskreis in osnabrück zu verfügen, der es – trotz mittlerweile teilweise massiver beruflicher belastung – immer wieder schafft, gemeinsam etwas zu unternehmen: dann kommen bis zu 20 leute zusammen und feiern zusammen geburtstage, silvester, hochzeiten, weihnachtsfeiern usw. oder setzten sich einfach nur so in ein restaurant oder eine kneipe. regelmäßig artet es in ein großes besäufnis oder ein großes fressen aus, oft auch in beides. Die frage drängt sich da schon auf: kommen wir zusammen, um uns alle mal wieder zu sehen oder geht es um die ungezügelte nahrungsmittelaufnahme?
Höhepunkt unserer unternehmungen sind dann die sog. „klassenfahrten“: für zwei, drei übernachtungen werden die koffer gepackt und dann geht’s nach hemmoor, wo uns die eltern eines gruppenmitglieds hemmungslos bewirten.
Wir fallen ein wie eine heuschreckenplage, tun so, als freuten wir uns, die eltern wiederzusehen – großes hallo, küßchen links, küßchen rechts - und können es gar nicht erwarten, dass es endlich etwas zu essen gibt. Und natürlich zu trinken.
So wirft dann der herbergsvater auch den grill an und wir setzten uns erwartungsvoll an die noch ungedeckte festtafel. es landet nach und nach ein geschossener hirsch und ein überfahrenes wildschwein auf dem grill und wir trinken dazu bier und schnäpse jeglicher art und güte, die wir natürlich nicht selber mitgebracht haben, und schauen der mutter dabei zu, wie sie zwischen küche und festtafel die speisen hin und her trägt und dabei vor lauter anstrengung rote bäckchen bekommt. Ein paar versuchen sich einzuschleimen und tragen auch ein paar schüsseln, aber die meisten wissen, was sich gehört, bleiben sitzen und wundern sich, warum es so lange dauert, bis einige wenige den tisch gedeckt und aufgefüllt haben. Komischerweise ist die mutter häufig die erste, die ins bett geht.
Voller ungeduld bekämpfen einige das quälende hungergefühl mit alkohol. Alkohol auf nüchternen magen ist ja bekanntlich gefährlich. Das essen wird aber gerade noch rechtzeitig serviert. Einige hängen nach dem zehnten schnaps schon bedenklich schief auf ihrem stuhl. Stadtmenschen eben, können nichts ab, denken wohl Vater und sohn der herbergsfamilie und sind selbst diesbezüglich wesentlich stabiler. Kurzzeitig wird es am tisch etwas ruhiger, da die meisten mit kauen und schlucken beschäftigt sind. Die unruhigen nur mit schlucken und nachspülen. Warum kauen, wenn der magen das unter mithilfe einiger schnäpse auch noch alleine schafft? Wie gesagt, die münder sind kurzzeitig gefühlt und nur wenige schaffen es, mit vollem mund noch weiterzureden. Wenig später steigt der lärmpegel schon wieder an, es wird gelacht, gebrüllt oder pikiert geguckt. Einige amüsieren sich, einige ärgern sich, andere menstruieren. Jeder wie er kann. Das geht dann mehrere stunden so weiter, während sich die schnapsflaschen leeren und sich die mägen der festgäste entsprechend füllen. Die gespräche werden immer sinnfreier, dafür wird mehr gelacht und gegrunzt und irgendwann verschwimmt erst die sicht, bis schließlich der rest des abends in einem undurchsichtigen, wabernden nebel verschwindet. Am nächsten morgen sind der nebel weg und die kopfschmerzen da. Schmerztablette, sonnenbrille und mit gequältem gesichtsausdruck an den (noch nicht gedeckten) frühstückstisch. Dann wird tagsüber irgendetwas unternommen, bspw. Eine wattwanderung oder besichtigung, die man als pflichtprogramm verkatert irgendwie durchsteht. abends wird schließlich wieder der grill angeworfen und das ganze geht von vorne los.
Wir waren auch schon mal in einer Wanderhütte im harz: dort mussten wir uns aber selbst bewirten und versorgen. Das hat den meisten nicht so gefallen. Daher freuen wir uns alle wieder auf das nächste wochenende in hemmoor. Vielen dank noch mal an die herbergseltern, insbesondere die mutter!

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