Samstag, 13. April 2013

kreisverkehrentrümpelung

Ich bin schön blöd. Also mehr blöd als schön. Ich sitze leicht verkatert vor meinem laptop und muss einen text über eine EU-richtlinie zur entrümpelung des kreisverkehrs schreiben.
Gestern abend haben wir im freundeskreis darüber diskutiert. Angeblich ist es zur zeit eines der meistdiskutierten themen in baden-Württemberg, nach stuttgart 21. naja, wir konnten uns gestern nicht einigen, ob allein die partei der grünen in baden-Württemberg daran schuld hat.
Ich habe gestern angetrunken den mund nicht halten können und großspurig versprochen, dass ich einen artikel dazu schreiben werde. Ich habe ja zeit. Dafür aber ein anderes problem: Die EU ist mir relativ, die grünen ziemlich und kreisverkehrinseln sind mir völlig egal. Es ist also ungefähr so, als ob ein heterosexueller mann über die attraktivität von männern schreiben soll. Wie dem auch sei, kommen wir mal zum thema:

Ein EU-Projekt heißt Vision Zero und hat das Ziel , die Zahl der Verkehrstoten auf null zu reduzieren. Hierzu sollen Straßen und Verkehrsmittel so sicher gestaltet werden, dass keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr auftreten.
Erste Etappe auf dem Weg zu diesem Fernziel sollte eine Halbierung der Verkehrstoten binnen zehn Jahren sein. Dies ist schon mal nicht gelungen. Statt der angestrebten Reduzierung der Verkehrstoten um 50 Prozent wurden lediglich 36 Prozent erreicht. (immerhin, denkt sich der autor). Die Europäische Kommission reagierte enttäuscht auf das Scheitern des Aktionsprogramms.

u.a. sieht das vision-zero-konzept vor, dass kreuzungen durch Kreisverkehre ersetzt werden. Die Gefahr von Kreuzungen, die nicht beachtet werden, sei schon länger bekannt.
Nun ist es wohl so, dass in deutschland manche kreisverkehrsinsel mit kunstwerken bestückt wurde. Und natürlich sehen manche sicherheitsfanatiker darin eine potentielle gefährdung der verkehtsteilnehmer und somit, was viel schlimmer sein dürfte, eine gefährdung des erfolgs des konzepts vision zero.
Baden-Württemberg ist laut SZ-Magazin mit 164 Werken sogar der ungeschlagene Meister der Kreiselkunst. Deren Ministerpräsident Winfried Kretschmann möchte nun zukünftig ganz im Sinne der Bürgersicherheit Kreiselkunst im Land demontieren lassen (u.a. in Gerlingen ein paar Fahnenstangen, in Freiberg den Drachenkreisel, in Großbottwar einen stählernen Storch, in Löchgau eine Nagelskulptur, in Sersheim Betonkugeln). Und wie so gut wie jede geplante veränderungsmaßnahme auch gegner auf den plan ruft (, an dieser stelle sei an die east-side-gallery erinnert, erst soll die mauer weg, jetzt plötzlich nicht mehr und schon gar nicht für luxuswohnungen), wollen nun einige die demontage des plunders verhindern.
Also mal ganz unter uns, es ist mir völlig scheißegal, ob in freiberg der drachenkreisel oder in großbottwar der stählerne storch diesen wahn des politischen aktionismus überleben.

Liebe freunde, ich muss euch somit leider enttäuschen. ich habe den mund (mal wieder) zu voll genommen. Das thema interessiert mich so gut wie gar nicht. Mögen die kreisverbände der einzelnen parteien sich darüber die köpfe heiß reden, ob jetzt die EU-Kommission oder der grüne Ministerpräsident daran schuld haben, dass vision zero umgesetzt wird oder eben auch nicht; mir ist es völlig egal, ob kreisverkehrsinseln mit kunstwerken bestückt sind.
Ich habe mal gehört, dass an großstadtkreuzungen, an welchen h&m ihre riesige plakatwerbung mit unterwäschemodels postiert haben, nach dem aufstellen dieser werbung die unfallquoten signifikant angestiegen sind, so dass die plakate entfernt werden mussten. Das leuchtet mir ein. Aber wer ist denn heute noch bereit, seinem vordermann hinten rein zufahren, nur um so ein rostiges, von einem zugekifften kunststudenten zusammengelötetes drahtgestell zu begaffen? Wie schon gesagt, mich lässt dieses thema ziemlich kalt. Anders als die weiblichen h&m-unterwäschemodels.

Mittwoch, 10. April 2013

flugrattensuppe

Ich sitze mal wieder in der sonne vor mcdonalds. Ist es eine ironie des alltags, dass mcD die schönsten außenplätze in der osnabrücker innenstadt hat? Hinter mir prügeln sich auf einem stark zurecht gestutzten baum, es ist eigentlich nur noch ein baumstumpf, zwei tauben.
Ich rauche eine billige zigarre wie sie mein opa zu lebzeiten auch geraucht hat. Mein opa hat in seinen späteren jahren tauben gezüchtet. Ab und zu landete eine in der suppe. Also tot und gerupft. Nicht lebendig und aus versehen. Flugrattensuppe, na lecker. Später ist mein opa an krebs gestorben. Ich weiß gar nicht, ob es lungenkrebs war. Mein opa ist nach seinem tod nicht in der suppe gelandet; sondern unter der erde. Mit mitte sechzig. Ist auch nicht gerade alt geworden. Ich kann mich kaum noch an ihn erinnern. Ich war ungefähr 9 jahre alt, als ich ihn als kleines zusammengeschrumpeltes männchen noch mal kurz vor seinem tod gesehen habe. Da war er schon schwerhörig und leicht verwirrt. Ich habe es als kind nicht verstanden. Also weder die krankheit noch den tod. Für meine oma war sein tod eine art befreiung.
Ein straßenmusiker spielt nebenan auf seiner klarinette „yesterday“ von den beatles. Er trifft nicht alle töne, aber das stört mich gerade nicht. Ich treffe auch nicht immer den richtigen ton, und das sogar noch ohne instrument. Auf der letzten gegnerischen familienfeier wurde, als ich schon in der bahn auf dem weg nach hause saß, mein blog-text „familienfeier“ ohne mein wissen und gegen meinen willen vorgelesen. Es las der onkel, den ich in diesem text als sympathischen verlierer bezeichnet habe, laut vor. Kam bei den von mir im text beschriebenen personen wohl nicht so gut an. Habe ich mir von meiner freundin sagen lassen. Naja, man kann sich nicht nur freunde machen. Mal sehen, ob sie beim nächsten zusammentreffen noch mit mir reden.
Ansonsten döse ich so in der sonne vor mich hin, werde wohl knackig braun und freue mich auf den verspäteten frühling. Der wenig begabte straßenmusiker versucht es jetzt mit einem walzer. Meinetwegen. Wenigstens gibt er vor, über ein breites repertoir zu verfügen.
In ein paar tagen habe ich geburtstag. Das geburtstagsgeld meiner eltern brauche ich, um für meine freunde ein paar kisten bier hinzustellen und um den rest des monats zu bestreiten. Kaum geld zu haben ist oft ganz schön anstrengend. Kein geld, aber ansonsten reich, denke ich. Ist mir so wesentlich lieber als umgekehrt.
Jetzt trällert ein vögelchen gegen den walzer an. Wohl eine amsel, glaube ich. Mit vögeln kenne ich mich überhaupt nicht aus. Die amsel hat vor sich keinen becher oder hut, so dass ich ihr etwas kleingeld für ihre gelungene musikalische darbietung geben könnte. Jetzt sucht sie nach resten unter den mcD-tischen. Sie guckt mich fragend an, lehnt aber den angebotenen kaffee ab.
Vor mir stehen jetzt zwei rauchende russen, so um die zwanzig, und geben sich betont cool und männlich. Mich beeindrucken sie damit nicht. Aber ich bin wohl auch nicht ihre zielgruppe.
Koffein und nikotin feiern in meinen adern eine party. Und ich mache einfach mal mit. Will ja kein spassverderber sein.
Vielleicht kaufe ich mir gleich noch ein paar neue flipflops. Flipflops an (gepflegten) männerfüßen findet meine freundin nämlich gut. Meine alten habe ich im letzten sommer durchgelatscht. Nicht so gut findet meine freundin sonnenbrillengläser zum aufstecken. Solche habe ich mir bei fielmann bestellt. Diese hochklappfunktion der sonnenbrillengläser finde ich endgeil. Ich glaube, ich werde den ganzen sommer mit hochgeklappten sonnenbrillengläsern auf meiner brille rumlaufen. Bei manchen sachen bin ich eben stilsicher. Genau wie bei meinen gestrickten krawatten mit geradem abschluss. Da muss meine freundin durch. Ich halte mich ja auch zurück, wenn sie ihre kartoffelstampfer in eine leggins zwängt und das ganze durch einen rock nur notdürftig kaschiert. Wahrscheinlich bekomme ich für die letzten sätze mächtig ärger, aber als künstler muss man eben frei und unabhängig sein (hasi, du hast ganz zauberhafte beine, schön und schlank wie bei einem jungen rehkitz, bitte tu mir nichts!)
meine freundin amüsiert sich ja auch gern auf meine kosten (bspw. Über meinen bauch). Dabei bin ich gerade mal ein wohlgenährter mann in seinen besten jahren.
So, lieber leser, ich will dich mit den interna meiner beziehung nicht weiter langweilen. Der kaffee ist ausgetrunken, die zigarre geraucht, dem straßenmusiker ist wohl die luft ausgegangen und ich mache mich auf den heimweg. Nach diesem ereignisreichen vormittag wird es höchste zeit für einen ausgedehnten mittagschlaf.

nur mehr ist mehr

es gibt ja so leute, die behaupten ernsthaft: weniger ist mehr. Völliger quatsch. Nur mehr ist mehr. Wer mehr hat, ist mehr. Weniger bier auf einer party, bedeutet früher schluss und weniger spass. Haben frauen weniger in der bluse und männer weniger in der hose, dann ist auch das weniger und nicht mehr. (fehlende überleitung, keine zeit, egal) Das glück kommt doch erst mit dem kauf der zehnten jacke, der zwanstigsten jeans oder der neuen wohnungseinrichtung. Man will doch zeigen, was man hat. Wer statt eines mickrigen golfs einen luxuswagen fährt, der ist auch mehr. Mehr mann, mehr persönlichkeit, mehr vorzeigeobjekt. Mehr, mehr, mehr. So viele filme oder musik auf der festplatte, dass man davon wahrscheinlich nie alles angucken bzw. anhören wird. Nur mehr freunde als die freunde auf facebook haben, bedeutet auch mehr freunde und mehr freude. Höher, schneller, weiter. Ich will mehr, mehr, mehr. Weniger bedeutet rückschritt. Hat man eine wohnung, dann braucht man eine größere. Hat man eine große wohnung, dann braucht man ein haus. Wer einen reihenhaus hat, beneidet am besten die nachbarn um das freistehende haus. Nur ein auto? Also bitte. Mehr urlaub, mehr freizeitaktivitäten, mehr kultur. Nur wer vor ort ist, wird wahrgenommen. Am wochenende nur auf ein party sehen lassen? Das geht nicht. Reines partyhopping betreiben, überall maximal eine halbe stunde und immer in bewegung bleiben. Nur kurz grüßen, winken, bussi links, bussi rechts, „wie`s geht? Nie besser!“ dann schnell weiter. Wer weiß, wo man gerade etwas verpasst. Überall das maximum herausholen; sich zu immer neuen zielen und leistungen antreiben; wenn der körper nicht mitmacht, optimier ihn, womit auch immer. Ignoriere deine bedürfnisse, mach weiter, solange du noch kannst. Man muss mitkommen bei dem heutigen tempo. Dafür bekommt man ja auch einiges geboten. Wer anhält, verpasst den anschluss, ist raus, wird bedeutungslos. Wachse äußerlich über dich hinaus; das innere wächst dann schon nach; zeige keine schwächen. Wenn es dir schlecht geht, steck dir neue ziele, treib dich an, es ist der einzige weg zum glück. Auch unsere wirtschaft braucht wachstum. Leiste deinen beitrag als pflichtbewusster konsument. Übertrage das leistungsprinzip auch auf deinen privaten bereich: welche freundschaften versprechen einen vorteil, wer bringt dich beruflich weiter und wer ist nur klotz am bein, jammert ständig rum und stiehlt dir deine wertvolle zeit (und somit auch indirekt geld); stecke deine kinder in ein teures internat; dort können sie lernen, dass das leben kein zuckerschlecken ist. Und du hast mehr zeit. Zeit zum arbeiten, zeit um voran zu kommen. Halte niemals inne. Der volksmund weiß: müßiggang ist aller laster anfang. Solltest du trotz karriere, reichtum und finanzieller sichheit nicht glücklich sein, häng dich noch mehr rein. Wahrscheinlich hast du dich bisher noch nicht genug angestrengt. Wer hat den heute noch zeit? Was fast alle machen, also die mehrheit, kann doch nicht falsch sein. …
ich hab jetzt keine lust mehr, noch mehr zu schreiben. Ich werde mal meine aktienkurse checken: auch dort gilt: nur mehr ist mehr.

sinnfreie gedankenspiele (oder: weist mich ein)

manchmal rauche ich gerne beim kacken, denke ich, während ich dies tue. Oder kacke ich manchmal gerne beim rauchen? Nein. Abgeschwächt formuliert: ich rauche manchmal gern, während ich länger auf der keramikschüssel hocke. Aber kacken klingt irgendwie knackiger. Naja. Weiter kommt mir in den sinn: ich träume gern beim radfahren (und fahre auch so). Aber nicht: ich fahre gern rad beim träumen. Wäre mir viel zu anstrengend.
ferner: ich bohre gern beim denken in der nase. Und nicht: beim nasebohren denke ich gern.
Hmm. Was hat das zu bedeuten? Hat es etwas zu bedeuten?
Warum ist das eine stets haupthandlung und das andere nur die nebentätigkeit oder die begleiterscheinung?
Ich suche nach weiteren beispielen: alle schwitzen beim joggen. Keiner joggt gern beim schwitzen.
Man lacht gern beim lesen. Aber beim lachen ließt man wohl nicht gern. Beim lachen verschluckt man sich manchmal. Aber beim sich-verschlucken zu lachen, dürfte schwer fallen.
Was schreibe ich eigentlich für einen sinnlosen blödsinn. Ich kann aber gerade nicht aufhören. Die beispiele fliegen mir so zu: viele trinken beim fußballgucken gern bier. Deutlich weniger gucken beim biertrinken gern fußball. Außer vielleicht den engländern. Die schotten machen ja sowieso alles nur beim trinken. Stimmt wahrscheinlich gar nicht. Wollte ich aber mal geschrieben haben.
Manch einer hupt gern beim autofahren. Es scheint für ihn die einzige möglichkeit zu sein, ausreichend schnell vorwärts zu kommen. Ich kenne jedoch niemanden der beim hupen gerne auto fährt (wird der text eigentlich langsam sinnlos?). Manche hupen gern, wenn sie sich aufregen. Und nicht umgekehrt. Oder doch? Vorausgesetzt sie regen sich im auto auf. Wer trägt den heute noch prophylaktisch eine handhupe bei sich?
Sich aufregen und rumbrüllen stehen aber wohl auf der gleichen stufe, oder? Bei wutanfällen wild gestikulieren ist normal, beim wilden herumgestikulieren wutanfälle bekommen eher ungewöhnlich. Was will ich mir mit dem bisher geschriebenen eigentlich sagen? Ich schreibe gern bei langeweile, aber manchmal langweile ich mich auch beim schreiben? So wie jetzt. So, es reicht nun mit dem schreiben. Oder schreibe ich gern, bis es reicht oder schreibe ich, wenn es mir reicht? Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich sollte meine tablettendosis mal wieder erhöhen. Später werde ich noch zwangseingewiesen. Dann kann ich in der psychatrie beim gesunden rumblödeln; oder beim rumblödeln endlich gesunden. Na herrlich!

ruhm

Ich habe angst. Ich habe einige meiner bloggeschichten zusammengestellt und will diese als potentielle geschichtensammlung an verschiedene kleine verlage schicken. Vielleicht druckt es ja irgendein bekloppter. Größenwahnsinnig geworden, oder? Fragt sich jetzt vielleicht der eine oder andere leser. Vielleicht. Vielleicht auch nur etwas anmaßend und eitel. Vermutlich ein klassischer fall von selbstüberschätzung. Egal. Ich werde es versuchen. Also meine geschichten an den mann zu bringen. Wobei mir eine frau als lektorin schon lieber wäre. Frauen verstehen meinen humor in der regel eher. Naja. Ich verspreche aber jetzt schon, ehrlich über die rückmeldungen zu berichten. Vielleicht mache ich ja einen amtlichen bauchplatscher oder eine bruchlandung. Oder gehe irgendwelchen betrügern auf den leim. Und darf am ende für eine auflage von 500 exemplaren an diese mehrere tausend euro zahlen. Andererseits sage ich immer: fasst mal einem nackten mann in die tasche! Soll heißen: wo nichts ist, kann man auch nichts holen. Bei mir ist nichts zu holen.

Wer bloggeschichten für nicht druckreif und ungeeignet hält, der sei auf michael nasts geschichtensammlung: endlich berliner! verwiesen.

Ich werde mir einen anzug und neue krawatten kaufen müssen. Und schicke schuhe. Vielleicht auch ein bißchen abnehmen. Im fernsehen sieht man ja immer etwas dicker aus. Das kann ich mir im moment nicht erlauben. Die denken ja ich sei ein weight-watcher-opfer, der sein geld zurück haben will.

Ich sollte mir auch schon überlegen, wie ich mich in interviews zu themen wie dem nahen osten, hitlers tagebüchern oder der krise der eurozone äußere. Da kann man viel falsch machen. Man wird mir auch fallen stellen: „welchen der folgenden gruppen (A, B oder C) würden sie als nachbarn bevorzugen?“ ich: „ähh, weiß nicht, ich habe mal neben sehr netten leuten gewohnt, die aus A kamen“ „aha, sie mögen also Angehörige der B- und C-Gruppe nicht“. Ich: „nein, ich habe nur …“ „eben sagten sie aber ...“ (ich breche an dieser stelle mein fiktives interview ab).
2. Versuch: Presse „Wem stehen sie näher? Ihrer mutter oder ihrem vater?“ Ich: „naja, mit meiner mutter kann ich länger telefonieren und ...“ „Ist die fehlende nähe zu ihrem vater, oder konkreter: die ablehnung des vaters, nicht ein unterschwelliges motiv, dass immer wieder in ihren geschichten auftaucht?“ ich: „mein vater taucht so gut wie nie in meinen geschichten ...“ „finden sie das nicht merkwürdig? Seit wann sind sie in therapeutischer behandlung?“ ich: „wann habe ich denn gesagt, dass ich in thera.., oh.“ (pause) ich: „das interview ist vorbei. Ich habe noch einen wichtigen termin. Ich muss meinen lektor noch zum flughafen bringen“ (und danach auf seine kinder aufpassen, denke ich).
Wenn ich mir das eben geschriebene so angucke, dann wäre es wohl das beste, wenn meine geschichten nicht angenommen werden.
Oder besser noch: ich schickte sie gar nicht erst ab. Aber was ist dann mit den groupies, den gala-parties, den drogen, den orgien usw. man muss sich im leben eben entscheiden. Und so stecke ich voller (geiler) vorfreude meine ausgedruckten geschichten in einen großumschlag, lecke den trockenkleber an und bringe das paket meines zukünftigen ruhmes zur post. Die angst und die selbstzweifel sind einer halben erektion gewichen.

Mittwoch, 27. März 2013

beschneidung eines querulanten

Dieses kulturtheoretische rumgewichse, denke ich. Ein text kann alle literaturwissenschaftlichen anforderungen erfüllen und trotzdem langweilen, während eine geschichte eines unwissenden, ungebildeten gut unterhält.
Warum schreibe ich das? Weil ich eigentlich in der uni-bibliothek sitzen und lernen wollte/sollte und keinen bock habe. Literaturtheorie – was für eine langweilige scheiße.
Im kopf summe ich die DAF-Zeilen: Verschwende deine jugend, schön und jung und stark, nimm dir, was du willst, solange du noch kannst, solange du noch jung bist, verschwende deine jugend; großartiger text.
Ich will lieber selbst etwas schreiben. Und nicht so abstrakt, gequirlte kacke darüber lesen. Brauche ich diesen theoretischen unterbau eigentlich? Also zum schreiben? Ich weiß es nicht. (schön und jung und stark). Während ich kaffeetrinkend vor mcdonalds in der sonne sitze und mich so vorm lernen drücke, bemerke ich die städtische Garten- und landschaftspflege. Zwei wohlgenährte männer um die vierzig beschneiden bäume; der eine hat ausgefahren und befindet sich mit der gondel in einem baumwipfel und schneidet munter äste ab. Jetzt wird er von unten angesprochen bzw. eher angebrüllt. Ein engagierter bürger ist wohl mit den kommunalen beschneidungsarbeiten nicht einverstanden. Der Stadtarbeiter brüllt irgendwas zurück und arbeitet unbeirrt weiter. Der engagierte mitbürger zückt seine kamera und schießt beweisfotos. Der städtische gärtner droht daraufhin mit seinem anwalt und führt sein verletztes persönlichkeitsrecht an. Früher hätten diese arbeiter einem solchen nervensäge wohl mit „was auf die fresse?“ gedroht. Um aber doch noch die kräfteverhältnisse offenzulegen, legt der wipfelstürmer die astschere weg, greift nach der handmotorsäge und schmeißt diese an. Dann sägt er sehr kraftvoll einen armdicken ast ab und lässt danach die kettensäge zwei mal laut aufheulen. Selbst der querulant versteht diese geste, bekommt wohl angst, schiebt sich seine kamera hinten rein, in die tasche, und geht. Dieses schauspiel hat mir gefallen. Wenn es bloß nicht so kalt wäre. Meine finger wollen kaum noch den kugelschreiber halten und so stehe ich auf und gehe der sonne entgegen. In der gleichen richtung ist auch die uni-bibliothek.

Montag, 25. März 2013

mutters lob

Vorhin klingelte mehrfach das festnetztelefon. Ich wurde jedes mal davon wach. Beim dritten klingeldurchgang hob ich ab, also den hörer, bzw. nahm das gespräch entgegen. Es war erst kurz vor vier. Und ich hatte erst knapp zwei stunden geschlafen. Ich stöhnte ein „hmm...ja“ in den hörer. „na, hab ich dich geweckt?“ erklang die stimme meiner mutter. „dass ist doch die zeit für deinen ausgiebigen mittagschlaf.“ ich antwortete völlig wertneutral: „ähh, hmm.“ „dachte ich mir“, erkärte sie weiter; „ich wollte dir auch nur kurz sagen, dass mir deine neuen blog-geschichten noch besser gefallen haben als die alten.“ (zur erklärung: meine mutter und das internet sind sich gegenseitig eher unbekannt und so bekommt meine mutter meine, für muttertauglich befundenen, blog-geschichten von mir ausgedruckt und als kleine geschichtensammlungen ab und an überreicht. Die erste sammlung hatte ihr gut gefallen. Vor ein paar tagen hatte sie meinen zweiten sammelband bekommen). „schön“ sagte ich, schon fast wach. „so, jetzt muss ich aber auch zu Ulrike, zum kaffeetrinken. Ich wollte dir ja nur kurz sagen, dass die neuen geschichten gut sind und du, soweit ich das beurteilen kann, diesbezüglich wohl talent hast. Also, mach´s gut. Tschüß.“ „danke, mutter, tschüß“. Lob von der eigenen mutter, dachte ich. Für kurzgeschichten, die eigentlich an meine altersgruppe gerichtet sind. Ich wußte nicht, ob ich mich darüber freuen sollte. Andererseits bekommt man ja viel zu selten mal ein lob. Warum somit nicht darüber freuen? Also freute ich mich kurz, nahm mir vor, demnächst härter, ordinärer, sexistischer und gewaltverherrlichender zu schreiben und schlief bei den überlegungen zur praktischen umsetzung schon wieder ein.

Samstag, 23. März 2013

ich lese bild (und das ist gut so)

Ich lese bild, also die bildzeitung. Online, auf bild.de. so gut wie jeden morgen. Warum tue ich das? Und warum besitze ich auch noch die dreistigkeit, mich dazu zu bekennen, anstatt mich zu schämen und es zu verheimlichen?
Ein paar fakten vorweg (die ich überwiegend von wikipedia übernommen habe, wobei ich auf eine korrekte zitierweise pfeife; ein doktortitel kann mir nämlich nicht aberkannt werden):

Die Bildzeitung ist eine deutsche, überregionale Boulevardzeitung, die werktäglich erscheint (Tageszeitung). Die aktuelle Auflage beträgt 2.521.054 Exemplare (im 3. Quartal 1998 betrug die verkaufte Auflage täglich noch 4,709 Mio. Exemplare, seitdem kontinuierlicher rückgang). Die Form ihrer Berichterstattung ist Gegenstand zahlreicher öffentlicher Diskussionen und Kritik.
Bild erreicht etwa 17,9 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren, das sind etwa 11,63 Millionen Menschen.
43 Prozent der Bild-Leser haben einen Hauptschulabschluss mit Lehre, 35 Prozent die mittlere Reife und 4 Prozent die Hochschulreife. 7 Prozent der Leser sind Selbstständige, 34 Prozent sind Angestellte oder Beamte und 37 Prozent sind Facharbeiter. Die Zielgruppe ist demnach nicht die Schicht der Führungskräfte oder der Gebildeten und Intellektuellen, sondern die Schicht der Arbeits- und Konsumbevölkerung. Dadurch prägte sich jedoch auch das Klischee eines Bild-Lesers. Laut Springer-Verlag dauert es durchschnittlich 45 Minuten, eine Bild-Ausgabe zu lesen.
Auf den ersten Blick enthält die Bild-Zeitung leichte Unterhaltung, Klatsch- und Skandalberichte. Sie vermittelt dabei eine Weltsicht, die dramatisiert sowie auf Sensation fixiert dargestellt wird und im Rahmen wenig objektiver Berichterstattung von der Wirklichkeit abweicht (Fiktionalisierung). Gleichzeitig ist die Bild-Zeitung wegen ihrer als polemisch empfundenen Art, dem Hang zur Vereinfachung und ihrer Sensationslust häufig der Kritik ausgesetzt. Kritik am Blatt, die es seit den 1960er Jahren gibt, nahm die Bild-Zeitung bisher nicht zum Anlass, die Art ihrer Berichterstattung zu ändern. Die Bild-Zeitung ist mit einem beträchtlichen Negativ-Image behaftet.
Dem Chefredakteur der Zeitung, Kai Diekmann, scheint durchaus bewusst zu sein, dass seine Zeitung immer wieder „schändliche Verfehlungen“ begeht. Er unterhielt mit dem NDR-Medienmagazin Zapp einen regelmäßigen Briefwechsel, in dem er derartige „Sünden“ als Themen für die Sendung vorschlägt.

so weit, so gut; oder schlecht. Warum lese ich also bild-online?
Zum einen weil meiner meinung nach die bildzeitung genau auf die richtige art und weise auf news, neuigkeiten und angeblichen informationen eingeht wie es ihrer bedeutung entspricht. Mir gefällt es, wenn wichtigtuerische politiker ganz platt durch den kakao gezogen werden; wenn über stars und sternchen nur einige platte überschriften und ein paar sätze dünnes geschrieben wird.
Wer von fehlender objektivität und ehrlichkeit anfängt, über den kann ich nur lachen. Welche zeitung ist denn objektiv? Und vertritt keine eigenen interessen? Oder ist nicht auch meinungsmacher? Wahrheit und objektivität gibt es doch gar nicht. Und die zeitung die durch ihre maßlosen übertreibungen, ihre offensichtlichen lügen und oberflächlichkeiten genau dies offen legt, der gebührt eigentlich ein preis für besonders aufklärerischen, ja dauerhaft investigativen journalismus.

Außerdem finde ich die hetze gegen menschen, die bereit waren, der bildzeitung ein interview zu geben, ganz erbärmlich: „wie konntest du nur?“
Bild ist durch die offensichtliche parteinahme und hetze ehrlicher als die anderen sogenannten „seriösen“ zeitungen, die dies versteckt tun und deren redakteure sich nicht mal eingestehen wollen, dass auch sie meinungsmache betreiben und die fakten auch gefiltert wahrnehmen und wiedergeben. Objektive berichterstattung? Dass ich nicht lache.

Diese ganzen arschlöcher, die sich für integer und bessere menschen halten, eure selbstgerechtigkeit kotzt mich an.
Ich wäre jederzeit bereit, der bildzeitung ein interview zu geben.

Warum machen sich die gegner so wichtig und gehen überhaupt auf die bildzeitung ein? Auch schlechte presse ist aufmerksamkeit.
Was mich nicht interessiert oder ich ablehne, ignoriere ich. Dinge, die kein presseecho finden, sind ganz schnell wieder verschwunden (deshalb schreibe ich ja auch nicht über die bildzeitung und ihre kritiker).

Ferner fällt mir in diesem zusammenhang noch ein, dass ich mal in einer studenten-wg gewohnt habe, in welcher die beiden mädels (beide heute akademikerinnen, eine davon habilitiert gerade) klatsch- und tratsch-sendungen wie „exclusiv“, „prominent“ usw. liebten und genau wie meine studierte freundin keine herumliegende „intouch“ oder „gala“ einfach so liegen lassen konnten.

Sind wir doch mal diesbezüglich ehrlich: die meisten menschen, insbesondere frauen, lieben klatsch und tratsch; das hat auch nichts mit dem bildungsgrad zu tun und ich finde es auch nicht schlimm. Schlimm finde ich, die oben erwähnte verlogenheit.

Um noch ein paar leute persönlich anzusprechen:

Max goldt: „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

liebes mäxchen, der du dich gern über andere lustig machst, solltest mal überlegen, ob du nicht im glashaus sitzt.

Liebe fr. holofernes,
es hätte ihnen besser gestanden, sie hätten auf die bild-werbeanfrage gar nicht reagiert anstatt dies ihrerseits wieder zu nutzen und danach durch alle möglichen talkshows zu tingeln und anderen „seriösen“ zeitungen diesbezüglich interviews zu geben. Hat sich bestimmt ausgezahlt, da es ja um ihre band auch ruhiger geworden ist.

Und zu guter letzt:
Eine allgemein bekannte deutsche autorin, deren feuchtgebiet sich wohl eher unter ihrer schädelplatte befindet, wird mit einem pipi-kacka-bumsmösen-buch reich, das die niedersten instinkte der leser anspricht, mokiert sich aber über die bildzeitung. Erbärmlich. Dass sie solche bücher schreibt, finde ich völlig ok, aber dann bitte auch so tolerant sein, dass andere auch ihren unsinn, klatsch und tratsch schreiben dürfen.

Abschließend:
Auch mir ist es nicht gelungen, dieses thema zu ignorieren. Stattdessen habe ich hier leute persönlich angegriffen und meinungsmache betrieben. Ich bin kein bisschen besser als ihr. Aber ich stehe wenigstens dazu. Und lese gar noch die bildzeitung.

Mittwoch, 13. März 2013

der mann der schläft

Ich sitze in der bremer stadtbücherei und beobachte durch ein fenster einen mann. Dieser sitzt im überdachten und beheizten innenhof an einem runden bistrotisch. Vor ihm auf dem tisch eine zeitung, schwarze lederhandschuhe und eine prinz-Heinrich-gedächnis-Mütze. Zum Verständnis: laut wikipedia ist die Prinz-Heinrich-Mütze eine den Kapitäns- und Lotsenmützen nachempfundene Schirmmütze, die nach dem kaiserlich-deutschen Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II., benannt ist. Eine andere Bezeichnung ist Helgoländer (Lotsenmütze). Als ich noch nicht wusste, dass es sich bei diesen deckeln um prinz-Heinrich-gedächnis-mützen handelt, hätte ich sie als typische opa- oder hausmeistermützen bezeichnet. Ich selbst trage ab und an eine schiebermütze; freue mich aber schon auf den tag, an welchem ich mir für eine prinz-Heinrich-Mütze nicht mehr zu jung vorkomme. Am besten kombiniert mit einer grauen breitcordhose und einer braunen lederweste mit vielen taschen, weil die so praktisch ist. Aber ich schweife ab. Der von mir beobachtete mann trägt eine altmodische nickelbrille, stoppelbart und halblange ungepflegte haare, die ihm oben auf dem kopf schon ausgehen. Eine sogenannte „kniescheibe“ auf dem kopf. Nicht zu verwechseln mit einer tonsur.
Wer jetzt denkt, er hätte den oben beschriebenen mann schon erkannt, der irrt: es handelt sich nicht um harry rowohlt. Auch wenn eine gewisse ähnlichkeit wohl da ist.
Der kopf des beobachteten sinkt ihm immer wieder auf die brust, während er dabei wohl wegdämmert. Schlafend sinkt er auf dem stuhl immer weiter in sich zusammen, dass ich schon fürchte, er könne vom stuhl fallen. Neben ihm steht das gestell eines dieser zweirädigeren gefährte, mit denen ältere ergraute frauen die fußgängerwege blockieren. Auf diesem gestell ist eine leicht versiffte sporttasche festgezurrt. Am griff hängt ein schmutziger baumwollbeutel. Bei dem mann handelt es sich wohl um einen obdachlosen. Wenn auch halbwegs gut getarnt. Ohne sein gepäck wäre er wohl von einem leicht verwahrlosten rentner kaum zu unterscheiden. Er hat bei dieser kälte, jetzt um die 0 und nachts unter 0 Grad, die ganze nacht bestimmt nicht geschlafen. Nun versucht er dies, an einem öffentlichen, warmen und trockenen ort nachzuholen. Er würde bestimmt lieber liegen, aber hier ist nur sitzen erlaubt. Wer liegt, fliegt (raus).
Ich habe auch nicht viel geschlafen und werde beim anblick des schlafenden alten immer müder. Aber wer weiß, wie unendlich müde er ist. Furchtbar, wenn man nachts keinen platz zum schlafen hat. Während ich auf der rechten ausladenden sessellehne schreibe, liegt auf der linken seite ein buch: georges perec – ein mann der schläft. Das klingt jetzt sehr konstruiert, als hätte ich ein passenden buch zu dem im sitzen schlafenden obdachlosen rausgesucht. Es war aber umgekehrt: erst nachdem ich dieses buch aus dem regal genommen und mich auf diesem sessel niedergelassen habe, bemerkte ich den alten. Mal sehen, ob mich dieses buch weiterbringt. Während ich ein bißchen lese, fallen auch mir die augen zu. Ich komme wieder zu mir als das buch auf den boden fällt und ich auf der sessellehne hänge. Ohne diese lehne wäre wohl ich vom stuhl gefallen. Ich beschliesse, mir beim bäcker gegenüber einen kaffee zu holen. Beim aufstehen fällt mein blick auf ein buch: sybille berg – der mann schläft. Jetzt wird es langsam unheimlich. Das ganze wirkt auf mich wie inszeniert. Ich kenne zwar eine menge bücher, in deren titeln die begriffe „traum“ oder „träumen“ auftauchen, aber kaum welche mit „schlaf“ oder „schlafen“. Obwohl: „schlafes bruder“ und „die stadt der schlafenden bücher“. Das war´s aber auch.
Also gegenprobe mit „traum“: „als wir träumten“, „der träumende delphin“, „vergiß das träumen nicht“, „traumdeutung“, „lebe deine träume“, „die stadt der träumenden bücher“. Ist auch nicht gerade viel. ok. Ich geb´s auf. So wird hieraus keine geschichte. Und während ich mich noch darüber ärgere, ist mein träumender, äh, schlafender obdachloser aufgewacht und liest aufgeweckt in der zeitung. Jetzt bohrt er hinter der aufgeschlagenen titelseite der faz heimlich in der nase. Gleich wird er das gefundene wohl unter den tisch schnippen. Mir reicht´s. Ich gehe jetzt einen kaffee trinken.

Montag, 11. März 2013

der verspätete rebell

wer meinen namensvetter kennt, versteht die anspielung. Die anderen wie immer nicht. Wie sie sonst auch nichts verstehen.
Das, was andere wohl als rebellentum in der pubertät an den tag legen, hole ich jetzt ca. 18 jahre später nach. Wieder andere bleiben aber auch ihr leben lang rebellen. Können sich nie anpassen. Lassen sich keine angst machen und lachen über die versprechen und in aussicht gestellten belohnungen und ehrungen.
Wer einmal den ganzen wahnsinn auch nur halbwegs durchschaut hat, ist danach nicht mehr bereit, die ihm zugedachte statistenrolle in der gesellschaft weiter auszufüllen. Er verweigert die weitere teilnahme an der gesellschaft.
Die eingereihten tun natürlich alles, um den aussteiger zur umkehr zu bewegen. Mit allen mitteln: gutem zureden, vorwürfen, drohungen, manchmal gar mit gewalt.
Sie merken gar nicht, dass ihr aggressives drängen auf rückkehr den aussteiger in seiner ansicht, sich von der gesellschaft weiter fernzuhalten, nur bestärkt. Wenn alle so glücklich in der mühle oder im hamsterrad sind, warum können sie einen aussteiger nicht dulden? Warum stört es sie so, dass sich ihrer vorgegebenen ansicht nach einer durch den ausstieg unglücklich macht? Ist es nächstenliebe? Die sorge, um das wohlergehen seines nächsten? Ich denke nicht. Sie ertragen nicht, dass der aussteiger auf einmal frei und glücklich wirkt, ihnen somit indirekt den spiegel vorhält und ihre eigenen ziele (haus, großes auto, karriere) zu staub zerfallen lässt.
Wieso ist ein mittelloser glücklich? Denken sie. Das darf nicht sein. Ihnen hatte man doch beigebracht, dass man nur durch harte arbeit und erst in fortgeschrittenem alter (frühestens ab 50) glücklich wird. Weil man erst dann auf ein geglücktes leben voller arbeit und leistung zurückblicken kann. Ein haus, frau und kinder, alle paar jahre ein neues auto, urlaub usw..
wieso erlaubte sich da einer zufrieden vor sich hinzuträumen, ohne vorher hart gearbeitet zu haben?
Wie kam einer dazu, nicht zu arbeiten? Also auf kosten anderer zu leben?

Dass banker milliarden verbrannten aus gier und damit ebenfalls naive u/o gierige leute um ihre altersvorsorge (in den usa gar um ihr obdach) brachten , mit steuergeldern milliardenrettungsschirme für banken aufgespannt werden mussten, ist natürlich etwas völlig anderes. Den immerhin hatten die finanzberater ja gearbeitet. Es ist nicht wichtig, was man tut, hauptsache man arbeitet viel.

Vielleicht möchte ja der ein oder andere aussteiger sogar arbeiten. Aber unter anderen bedingungen, als die, die er in der arbeitswelt vorfindet: stress, druck, angst, überstunden, mobbing usw.. es ist nun mal, wie es ist, werden dann andere wieder entgegnen. Darauf kann dann der aussteiger antworten: es ist zu dem geworden, zu dem ihr es gemacht habt. Vor 50 jahren sah die arbeitswelt ja auch ein bißchen anders aus.

„die globalisierung hat uns dazu gezwungen“
„die globalisierung oder die gier einiger gewiefter geschäftsmänner?“
„man muss sich mit der realität abfinden. Mir gefällt auch nicht alles.“
„ja, aber solange keiner aufbegehrt und laut sagt, ich mache diesen ganzen quatsch nicht mit, ich lasse mich nicht verheizen, krank machen oder zu etwas zwingen, was ich nicht will, wird sich auch nichts ändern. Die reichen werden immer sagen, dass die konkurrenz sie dazu zwingt.“
„dann wähl doch die linken und geh bis zu deren wahlsieg arbeiten“
„wähl, wen du willst und guck dir an, ob ein regierungswechsel in den letzten zwei jahrzehnten den sog. Kleinen leuten geholfen hat. Wer muss denn über steuergelder alles finanzieren, während unternehmen millionengewinne machen und keine steuern zahlen ?“
„mit dir kann man echt nicht diskutieren; total verblendet. Und dazu noch ein fauler sozialschmarotzer“
„lieber sozialschmarotzer als angepasster arbeitssklave“

kleiner selbstfindungstrip

die zeit wird knapp. Rauch verlässt meinen mund. Das handy als stille anklage vor mir auf dem tisch. Ödipus oder sich selbst verwirklichende prophezeihungen. Gedanken an die eltern. Draußen schneit es. Er bleibt sogar liegen. Und das mitte märz. Naja, meine eltern fahren bald in den skiurlaub. Und danach an den gardasee. seit zwanzig jahren die gleichen urlaubsorte. Kann man ihnen das vorwerfen?
Ich fahre mangels geld über ostern zu meinen potentiellen schwiegereltern nach ostwestfalen. Die mögen mich. Wenn nur die sache mit der arbeitslosigkeit nicht wäre. Aber ich bestehe, beharre darauf. Vielleicht die wichtigste erfahrung in meinem leben. Meine freundin hat sich damit wohl schon abgefunden. Sie sieht ja, dass ich nicht nur rumhänge, sondern lese und schreibe, als hätte ich es schon geschafft. Ich wünschte, dass es mir gleichgültig wäre, aber die hoffnung irgendwann in irgendeiner art und weise davon leben zu können, ist schon groß. Erst für, dann von der literatur leben. Anders geht es wohl nicht. Wenn die zweifel, unsicherheiten und ängste manchmal die überhand zu gewinnen drohen und die äußeren stimmen, die einen sicheren, bürgerlichen beruf fordern, beinahe zur inneren werden, gerate ich zum glück immer wieder an bücher wie „the rum diary“ oder einen erzählband von raymond carver oder romane von wilhelm genazino und dann weiß ich, dass ich nicht anders kann. Und auch gar nicht anders will.
Das leben zwischen zwei buchdeckeln, trost in den dunklen stunden, geteilte freude und geteiltes leid. Literatur als größte stütze meines lebens. Dafür bin ich bereit, einiges in kauf zu nehmen. Hoffentlich bricht diese stütze nie weg.
Das zigarillo ist jetzt zu ende geraucht und erlischt im aschenbecher. Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Also setze ich mich an den laptop und tippe diesen inneren monolog ab. Mal sehen, was dann passiert. Es ist ja erst montag morgen.

Mittwoch, 6. März 2013

Wütend (oder: Kein mitleid mehr mit frauen)

mehr oder weniger liebe frauen,

wie oft bin ich schon auf euch zugegangen in kneipen oder discos und wollte mich einfach nur nett mit euch unterhalten; ohne das stets unterstellte hauptmotiv, euch einfach nur flachlegen zu wollen;
arrogant und überheblich habt ihr mir eine abfuhr nach der anderen erteilt und dabei die chance verpasst, einen meiner meinung nach interessanten menschen kennenzulernen; ist es nicht auch spannend, mal mit einem fremden einfach nur ein paar sätze zu wechseln?
stattdessen sofort das große P für panik in euren augen: iiihh, die drecksau will mich ficken! Eigentlich reichte es schon, dass ich mich nur in eure nähe begeben und blickkontakt gesucht habe: sofort ein genervter blick. Ich glaube, ihr habt es nicht besser verdient, dass ihr single seid und eurer meinung nach nie einen mann kennenlernt.
Oder war mein äußeres nicht ansprechend genug? Ihr beschwert euch doch immer, dass männer nur nach dem äußeren gehen; ich kann euch versichern, dass ich mit so gut wie jeder frau, die mich in einer kneipe oder disco anspricht, ein paar worte wechsle und nicht sofort dabei denke: puh, die hat`s aber nötig, oder: boah, ist die fett; also, ich habe von nun an kein mitleid mehr und gönne euch von herzen, dass ihr als einsame, verschrumpelte jungfern endet.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

leben, glück und so
pubertärer besinnungsaufsatz für gleichgesinnte manchmal.. .
bratapfel-süß-sauer - 17. Mär, 11:19
kleider machen leute
ich sitze auf der dachterrasse des cafes panorama mit...
bratapfel-süß-sauer - 4. Mär, 16:56
kontrolle, sparwahn u...
es gibt tatsächlich leute, die mitzählen, also eine...
bratapfel-süß-sauer - 31. Jan, 12:29
die bedeutung des geldes
geld ist mir eigentlich ziemlich scheißegal. Solange...
bratapfel-süß-sauer - 30. Jan, 01:52
Ab wann das Alter "sehr...
Ab wann das Alter "sehr fortgeschritten" ist, lasse...
iGing - 23. Jan, 18:37

Links

Suche

 

Status

Online seit 4568 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:09

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren