er saß um kurz vor acht an der bushaltestelle vor aldi und rauchte eine zigarette. Seine freundin lag noch im bett und schlief. Er konnte morgens nie besonders lange schlafen.
Jetzt wartete er darauf, dass sich die türen öffneten.
Er sah, wie eine alte schachtel mit grauem lockenkopf beim versuch den behindertenparkplatz mit ihrem golf zu treffen, einen ebenso gebrechlichen alten sack beinahe überfuhr.
Seiner meinung nach sollten eh alle über 80 den führerschein abgeben müssen. Und mit 70 eine eignungsprüfung. Selbst auf einem aldi-parkplatz war man sich seines lebens nicht mehr sicher.
Noch bevor er aufgeraucht hatte, erhielten die stets ungeduldigen einlass.
Er hatte es nicht eilig. Sie würde noch bis mindestens 10 uhr schlafen. Er genoss die einsamkeit der morgendlichen stunden.
Kaum hatte er vier brötchen geholt, saß er schon wieder rauchend an der bushaltestelle. Und sah den vorbeifahrenden bussen nach. Neue kippen werde er noch kaufen müssen, kam ihm in den sinn. Zum glück hatte das amt schon überwiesen. Das bedeutete weitere 382 € zum verleben. Um so richtig auf die kacke zu hauen, dachte er. In kneipen ging er aber schon lange nicht mehr. Nicht nur des geldes wegen.
In seiner wohnung warteten mehrere dutzend ungelesener bücher, günstig erworben. Einen fernsehanschluss besaßen sie auch. Trotzdem war ihm oft langweilig.
Einen hund hätte er gern gehabt. Aber die angst vor den tierarztkosten und dem vermieter hielten ihn davon ab.
Jetzt hielt schon der zweite bus vor ihm, ohne dass jemand ein- oder ausstieg.
Noch mal ganz neu anfangen, müsste man, dachte er. Alles hinter sich lassen. Und ganz von vorne anfangen. Einfach mit dem nächstbesten bus in die stadt fahren, dann zum bahnhof und weit, weit weg. Vielleicht an die nordsee. Oder nach hamburg. st. pauli. Oder nach süden. In die berge. Vielleicht mal münchen sehen.
Mit der miete hatte er knapp 800 € auf dem konto.
Als der nächste bus hielt, warf er die kippe weg und stieg ein.
10 tage später stand er übernächtigt, unrasiert und streng riechend wieder in der gemeinsamen wohnung. Er sagte nichts; und sie fragte auch nicht.
Er stieg in die badewanne, rasierte sich und ging wortlos zu bett.
Am nächsten morgen schlief er bis 10 uhr. Sie hatte bereits brötchen geholt. Danach ging alles weiter wie bisher.
bratapfel-süß-sauer - 3. Sep, 10:54
Wahl-o-mat: NPD oder Piraten? Oder doch die Linke?
Wahl-o-mat zur bundestagswahl 2013 als orientierungshilfe ungeeignet
So, es ist endlich soweit: der wahl-o-mat zur bundestagswahl 2013 ist jetzt, also vier wochen vor der wahl, freigeschaltet. Seit heute vormittag 11.30 uhr.
Kurz zur erklärung: Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) hat 29 Parteien 38 Fragen vorgelegt auf die diese (ihrem wahlprogramm entsprechend) geantwortet haben. Ruft man die internetseite der BPB auf, kann man selbst eben diese fragen beantworten (stimme zu, neutral, stimme nicht zu) und danach feststellen, welche antworten der parteien (max. 8 gleichzeitig) mit den eigenen am häufigsten übereinstimmen.
Ich habe den wahl-o-mat schon zur letzten bundestagswahl und für eine landtagswahl bemüht, war aber mit den ergebnissen bzw. den sich daraus ergebenden wahlempfehlungen nicht zufrieden.
Ich will aber nicht vorgreifen.
Also, ich sitze vor dem laptop, habe sämtliche fragen beantwortet und bin sehr gespannt, welche partei ich demnach wählen sollte. Als miteinander zu vergleichende parteien klicke ich spd, cdu, fdp, grüne, linke, piraten, npd und rep an. Um das politische spektrum möglichst breit abzudecken. Außerdem dürfte es sich dabei um parteien handeln, die wesentlich mehr stimmen erhalten werden als beispielsweise die tierschutzpartei oder die partei bibeltreuer christen.
Gesagt, getan, angeklickt und abgeschickt und siehe da (tralalala, würde sich darauf reimen):
Die NPD liegt bei mir in Führung: 64,5 % Übereinstimmung mit meinen antworten. Halleluja. Nee, eher scheiße. Bin ich etwa ein kleiner nazi und weiß es nicht?
Zum glück folgen die piraten mit 63,2 % und die linken mit 60,5%.
so, und (wie bei den letzten zwei wahl-o-mat-nutzungen vergangener wahlen) ist mal wieder das eingetreten, was ich befürchtet hatte: was soll ich mit so einer wahlempfehlung? Keine der drei parteien möchte und werde ich wählen. Dann schon eher die cdu/csu, die bei mir den letzten platz laut wahl-o-mat belegt.
Stop, klugscheißer werden mich jetzt darauf hinweisen, dass es sich laut BPB nicht um eine wahlempfehlung, sondern nur um ein Informationsangebot über Wahlen und Politik handelt.
Ja, sicher. Unentschlossene oder uninformierte werden sich hier nur informieren und nicht die partei wählen, die die höchste übereinstimmungsquote mit ihren antworten haben. Meiner meinung nach handelt es sich um eine indirekte wahlempfehlung. Sonst wäre es ja auch überflüssig. Informieren kann man sich auch anders.
Aus genau diesem grund finde ich den wahl-o-maten als orientierungshilfe höchst fraglich.
Man stelle sich vor, ein wenig informierter, vielleicht auch etwas unterbelichteter wähler (so etwas soll es ja geben) wählt nach der (indirekten, ich bleibe dabei) wahlempfehlung des wahl-o-mats die NPD. Oder verschenkt seine stimme an die bundesweite kaninchenzüchter-partei. Ich glaube, dass man anders informieren muss. Weiß aber auch nicht, wie.
Ferner kann man mir natürlich vorhalten, dass man ja die NPD oder die REP in dem parteienvergleich gar nicht einzubeziehen braucht. Das stimmt natürlich. Klicke ich nur die „großen“ parteien an, tauchen die kleinen parteien nicht auf. Dann brauche ich aber den wahl-o-maten auch nicht zu bemühen. Zwischen CDU, SPD, den Grünen und der FDP können die meisten wohl schon unterscheiden.
Um es noch einmal anders zu formulieren: Ich wähle doch am ehesten die partei, die im wesentlichen mein weltbild teilt: soziale gerechtigkeit statt freiheit, umweltschutz gegenüber wirtschaftsförderung, arbeitnehmerschutz statt arbeitsmarkt-liberalisierung, solidarität statt eigenverantwortung usw..
meine stimme kriegen npd, rep oder die piraten niemals. Selbst wenn es eine 100%-ige übereinstimmung bei den antworten geben sollte.
Lieber wahl-o-mat, du hast mich schon wieder enttäuscht.
bratapfel-süß-sauer - 29. Aug, 13:32
meine generation: eine generation, die alles hat, zumindest materiell, zugleich aber auch nichts; die komplett die orientierung verloren hat. Was soll ich tun? Und wer bin ich? Diese fragen ...
So wollte ich anfangen. Merkte dann aber: das ist gar nicht meine generation. Das bin eher ich oder einzelne meiner altersgruppe.
Der überwiegende teil meiner freunde und bekannten will beruflich etwas erreichen, vielleicht sogar karriere machen. Sie ordnen diesem ziel alles unter. Sie reißen sich den arsch auf, schieben überstunden, sind flexibel und erfüllen auch sonst beinahe alle wünsche des arbeitgebers. Sie haben ein ziel: ihren job gut zu machen. Ich könnte fragen: warum und für wen? Die häufigste antwort der zunächst für einige monate arbeitslos gewesen wäre wohl: die zeit der arbeitslosigkeit war schlimm, langweilig, bedrückend usw.. mehr kommt dann oft nicht. arbeitet man etwa nur, um nicht arbeitslos zu sein? Manche behaupten gar, dass ihnen der job spass mache. Kann sein, bezweifle ich aber wegen des stresses und der stressbedingten leiden. Arbeit als lebenssinn? Finde ich zweifelhaft.
Vielleicht haben sie aber auch recht. Der mensch definiert sich über seinen beruf. wurde mir gesagt.
Alle alternativen lebensentwürfe und weltverbesserungsversuche sind gescheitert. Ein leben ohne arbeit ist heute kaum denkbar. Wären die 68er nicht gewesen, könnten wir vielleicht auch noch von einer besseren welt träumen. Selbstverwirklichung, müßigang, lebenslust – wozu? Wir sind desillusioniert. Was sollen wir tun?
Eine generation, die nicht mehr ums überleben kämpft, sondern mit der langeweile und fehlenden sinnhaftigkeit der eigenen existenz; so hätte ich weiter gemacht.
Es ist ihr nicht oder kaum möglich, die vätergeneration beruflich zu übertrumpfen und der glaube, mit mehr wohlstand gehe auch mehr glück einher, hat sich als haltlos erwiesen.
Manch einer, wenige, haben noch zeit. zu viel zeit, um über alles nachzudenken und alles in frage zu stellen. Wen der hunger quält, der ist nur mit der nahrungsbeschaffung beschäftigt, der politisch unterdrückte kämpft oder sehnt sich zumindest nach freiheit. Da wir bereits alles haben, gibt es nichts mehr, für das sich zu kämpfen lohnt. Oder doch? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich geht es uns einfach zu gut.
Zu guter letzt die frage: Wofür das ganze? Am ende landet man doch eh in der kiste. Aber erst mal vor der kiste. Am abend wird bundesliga gezeigt und nach 3 bis 5 bier vergessen wir die existenziellen fragen und diskutieren stattdessen, warum unser lieblingsverein wieder so scheiße spielt.
schulterzuckend steht man da und denkt:
Den vorhang zu und alle fragen offen.
bratapfel-süß-sauer - 28. Aug, 18:25
Ich habe gerade eine ganz nette geschichte über unglückliches verliebtsein gelesen (Titel: Armor, du Drecksack). Und die schwingt noch nach. Oder banaler ausgedrückt: ich mache mir darüber gedanken.
Nun, beim thema liebe und partnerschaft kann ich mich nicht beklagen; ganz im gegenteil: ich bin mit meiner freundin seit über dreieinhalb jahren zusammen und glaube, dass wir miteinander glücklich sind. Klar, es gibt dieses auf-und-ab, mal mehr, mal weniger, kleine streitereien, verärgerung über die nicht zugeschraubte zahnpastatube usw.. aber grundsätzlich passt es einfach, ohne dass ich das näher erklären könnte.
ich kann und will mich also bei armor nicht beklagen.
Allerdings war ich zuvor auch jahrelang single, mal unglücklich verliebt, wurde auf fiese art und weise verletzt, habe mich selbst nicht korrekt verhalten, hatte affären und sex ohne liebe, ... und kann daher wohl noch mitreden.
In meinem damaligen freundeskreis, überwiegend studenten, hatten viele das problem des ewigen single-daseins. Manche lösten dieses dann mit mitte/ende zwanzig, als ihnen schon das P für Panik hinsichtlich eines ewigen singledaseins in den augen stand, mittels kontaktbörsen im internet. Manche hatten damit sogar erfolg. Zwei meiner freundinnen sind heute mit dem kontaktbörsen-partner verheiratet und haben gemeinsam kinder. Andere sind schon mehrere jahre mit ihrer internet-bekanntschaft zusammen.
Was mich bei all dem nur wunderte und noch wundert: das kontaktbörsen-angebot an potentiellen partnern dürfte meiner ansicht nach nicht mehr zu bieten haben als das eigene umfeld.
Ich denke, dass eher die hürde des sich-ansprechens und der signaliserung der beziehungsbereitschaft von vielen aufgrund von unsicherheit, schüchternheit usw. nicht genommen werden kann.
Viele meiner damaligen dauerhaften single-freunde waren nett, zuverlässig, witzig, unterhaltsam, etwas zurückhaltend und sahen durchschnittlich gut aus, waren aber keine draufgänger, keine models oder entertainer. Ich kann mir schon vorstellen, dass bei den meisten frustrierten single-frauen, wenn sie diese kennenlernten sich nicht sofort ein kribbeln im bauch einstellte. Natürlich merkten die mädels, dass sie hier keinen mercedes oder bmw zum vorzeigen vor sich hatten, sondern nur einen volkswagen oder preis-leistungs-opel.
Wenn sich aber die eine oder andere dann doch mal auf einen solchen „durchschnittstypen“ einließ, wurden daraus dann manchmal glückliche paare. Meine männlichen freunde mussten eben erst mal auftauen, ihre unsicherheit ablegen und erfahrungen hinsichtlich frauen und einer partnerschaft sammeln und hielten dann mehr als ihr erster eindruck versprochen hatte.
Ich will eigentlich nur sagen: mädels, seid nicht so kritisch; gebt den schüchternen, mittelmäßig-aussehenden durchschnittstypen ohne vermeintliche herzklopfgarantie eine chance und ihr werdet euch wundern, wie tief manches stille wasser ist.
Außerdem muss man dann später nicht viel zeit (und geld) bei partnerbörsen verschwenden.
bratapfel-süß-sauer - 14. Aug, 18:20
in einer kneipe:
„also, ich hab da so ein paar stiefel im schrank. Aus Leder, halb hoch, also so ca. zwei daumen bis über den knöchel, mit einem Reißverschluss an der Innenseite und einer 1a-Ledersohle; von einem englischen designer; scheiß auf die italiener, das war mal; man, die dinger sind der hammer; beim laufen machen die nur „tack, tack“; fast wie lemmys cowboystiefel; absatz 1,5 cm; farbe cognac; also nicht einfach nur hellbraun; cognac, wie weinbrand inna flasche. stell dir vor, ich trag schon extra 2cm kürzere hosen als sonst, damit man die stiefel besser sieht; fast wie heiner lauterbach: der lässt sich den linken anzugärmel auch extra kürzer schneidern damit man seine geile uhr auf jeden fall bemerkt; man, du solltest mal sehen, wie die miezen gucken, wenn ich mit den dingern, sonnenbrille und zigarre die straße runterlaufe. 150 Euro hätten die normalerweise gekostet; hab ich natürlich nich bezahlt; ich bin doch nich doof; nicht ma die hälfte; ich hab beziehungen. ok, sonderlich bequem sind se nich, aber wenn man sich dran gewöhnt hat, geht`s. Ich besorg dir auch nen paar, wenn de willst. Junge, du kannst doch nicht mit diesen ausgelutschten turnschuhen frauen aufreißen gehen. Die denken ja, du lebst vonne stütze; ok, tun hier ja fast alle, aber mit den dingern glauben se dir, dass dein wagen inna werkstatt is. Man, junge, man muss schon n bißchen auf sein äußeres achten. Sonst wird das nichts mit den ladies.“
oh man, ich nicke meinem thekennachbarn zu, trinke einen schluck bier aus meinem glas und schäme mich für meine ausgelatschten sneaker. Hätte nicht gedacht, dass ich in dieser kneipe an einen stilberater gerate.
bratapfel-süß-sauer - 13. Aug, 19:49
Als ich vor einigen monaten bei einem großen autohersteller in den semesterferien am band arbeitete, habe ich sehr viel boshaftigkeit seitens der festangstellten mitarbeiter erlebt. Es bereitete ihnen große freude, den studenten oder den leiharbeitern, die wirklich arme schweine waren (richtig mies bezahlt, drohender jobverlust bei kleinsten vergehen usw.), das leben schwer zu machen. Nicht alle. Aber einige. In der regel männer mittleren alters. Sie hatten sehr viel spass daran, die „neuen“ für dumm zu verkaufen, niederzumachen oder ihnen eins auszuwischen. es ging bis zum heimlichen boykottieren unserer arbeit. Ich glaube nicht, dass diese Bandarbeiter sehr viel schlechter als andere waren, aber sie lebten ihre schadenfreude und boshaftigkeit offener und ungenierter aus als das vielleicht in anderen berufsgruppen getan wird.
Ich kenne menschen, die durch mobbing am arbeitsplatz fast kaputt gegangen sind. Und meistens erst mit hilfe eines therapeuten (und oft eines anschließenden jobwechsels) wieder lebensfähig wurden. Von den zurückgebliebenen wunden einmal abgesehen. Und der damit weiterhin geminderten lebensfreude.
Ich verstehe es nicht: andere bewusst auflaufen zu lassen, ihnen absichtlich den arbeitsalltag schwer machen – warum tun menschen so etwas?
Eine meiner bekannten hat eine einfache erklärung: die welt ist schlecht. Und die menschen auch. Deswegen muss man auf der hut sein, sich schützen und möglichst wenig von sich preisgeben. Damit man kaum angriffsfläche bietet. Hmm.
Der berühmte jazztrompeter till brönner hat mal in einem interview sinngemäß gesagt: je höher man auf der karriereleiter aufsteigt, umso menschlicher wird es dann oben wieder. Oder so ähnlich.
Das ist auch mein eindruck: große (oft auch erfolgreiche) menschen, die zufrieden, ausgeglichen und mit sich „im reinen“ sind, sind oft sehr viel großzügiger, menschlicher und weniger engstirnig als andere.
Unzufriedene, unsichere und unausgeglichene leute wollen meiner meinung nach anderen eher eins auswischen. Nach dem motto: wenn ich schon nicht zufrieden bin (oder glücklich), dann sollen es andere auch nicht sein.
Ich wurde mal zeuge wie eine durch-gestylte manager-mutter zu ihrer, vielleicht 8-jährigen, tochter in einem supermarkt an der kasse sagte: „wenn du dir in der schule nicht mehr mühe gibst, sitzt du später mal hier an der kasse.“ dies sagte sie in einem abfälligen ton und in einer lautstärke, dass die kassiererin es hören konnte, vielleicht sogar musste. Warum sind menschen so? So fies.
Fast alle halten sich für „gute“ menschen. Oder geben in umfragen zumindest an, dass sie solche sein wollen. Komisch. Irgendwie ist da eine diskrepanz zwischen wunsch und meiner erlebten wirklichkeit.
Das es auch anders geht, erlebte ich im gleichen supermarkt: eine sehr nette kassiererin, ungefähr in meinem alter, sagte zu einer neuen, die gerade erst angelernt wurde und ein wenig unsicher wirkte: „du machst das richtig gut. Weiter so.“ solche erlebnisse machen mir hoffnung. Ich will nicht auch zu dem schluss kommen, dass die menschen grundsätzlich schlecht sind.
vielleicht bin ich zu weich für diese welt. Muss man sich ein dickes fell zulegen, um im alltag, insbesondere der arbeitswelt, bestehen zu können? Kann schon sein. Trotzdem bin ich dazu nicht bereit. Und bleibe so vielleicht ewig ein träumer, der sich der realität nicht stellen will. Damit kann ich aber besser leben als mit einem aufgezwungenen dicken fell.
bratapfel-süß-sauer - 12. Aug, 23:41
ich bin wohl ein sensibelchen
echt erstaunlich, wie hart einige blogger mit einem bei neon.de ins gericht gehen. Und glauben, wenn ihnen ein text nicht gefällt, dass er dann auch keinem anderen gefallen könne oder dürfe.
Ich bin seit nicht mal einer woche bei neon.de eingeloggt und habe schon mehr negative kommentare bekommen als in einem halben jahr bei blog.de.
Natürlich habe ich auch texte anderer blogger gelesen, die mich gelangweilt, nicht interessiert oder abgestoßen haben. Manche konnten kaum vernünftig schreiben, andere pubertierten rum, einige verloren sich in gefühlsduseleien, dass es selbst mir peinlich war. Ich habe diese texte gelesen, mir meinen teil gedacht und dann deren texte nicht kommentiert.
Wer bin ich, dass ich mir anmaßen könnte, zu sagen: das ist scheiße. Du kannst nicht schreiben. Hör auf zu bloggen.
Jeder fängt mal an. Nicht jeder ist ein naturtalent.
Wenn jemand gerne fußball spielt, aber keine besondere veranlagung hat, dann würde ich ja auch nicht zu ihm sagen: hör auf. Es hat keinen sinn. Manche sind echte spätzünder. Aus anderen wird nie was. Aber wenn jemand an etwas spass hat, soll er das machen. Ob gut oder schlecht.
Niemand ist gezwungen, die texte anderer zu lesen. Warum andere runtermachen? Ist man sich vielleicht selbst unsicher, ob man besonders begabt ist oder die eigenen texte gut sind?
Ich habe bisher bei anderen nur gelobt, wenn mir etwas gefallen hat. Wenn jemand gerade erst anfängt zu schreiben, käme ich nie auf die idee, ihn zu entmutigen. Lob beflügelt, tadel entmutigt.
Ich kann die strenge haltung einiger blogger bei neon.de und insbesondere ihre (teils vernichtenden) kritiken nicht verstehen.
Vielleicht bin ich auch nur zu sensibel und kann mit kritik nicht umgehen. Das thema hatten wir ja schon.
bratapfel-süß-sauer - 12. Aug, 13:33
ich kann schlecht mit kritik umgehen. Zumindest bei kritik in bereichen, die mir wichtig sind. Oder in welchen ich unsicher bin. Da ich ein unsicherer mensch bin, sind das also fast alle bereiche des lebens.
Mich wundert, dass eine kritisierende äußerung für mich viel größeres gewicht hat als ein lob. Es können mich neun von zehn leuten loben. Der tadel der zehnten person wiegt schwerer als das vorangegangene lob. Warum ist das so? Und warum schreibe ich darüber?
ich habe vor kurzem einen text (inkompetente internet-installation), den drei meiner bekannten ausdrücklich gelobt hatten, bei neon.de hochgeladen. Kurze zeit später kam dazu folgender kommentar:
„Inhaltlich soll das bestimmt witzig sein, ich konnte nicht mal müde lächeln.“ (Bender 018)
erst dachte ich, dass mich das gar nicht groß berührt. Es kann halt nicht jedem alles gefallen. Wer weiß, was das für ein querulant ist usw.. der wichser kann mich mal! Dachte ich ganz souverän. dann merkte ich aber, wie es mich doch weiter beschäftigte; also in meinem unterbewusstsein arbeitete. Und mich bedrückte. Hatte der typ vielleicht recht? Ich begann den text meinem bruder, der zufällig auf meiner wohnzimmercouch lag, laut vorzulesen. Beim vorlesen fiel mir dann selbst auf, dass der text viel zu lang, zu umständlich, mäßig unterhaltsam und wenig bis gar nicht lustig ist. Mist. ist mir vorher gar nicht aufgefallen.
plötzlich war ich froh und dankbar für die kritik. Wie soll man sich verbessern, wenn keiner kritik übt? Natürlich tut sie erst mal weh. Ich rege mich auf und will wutschnaubend zurück schiessen. Aber wenn ich mich beruhigt habe und ganz in ruhe darüber nachdenke, kann sie sehr hilfreich sein.
So, auch wenn ich natürlich (wie wohl jeder) lieber gelobt werden möchte, fordere ich euch, also dich, lieber leser, auf, kräftig kritik zu üben. Du tust mir damit einen gefallen. Auch wenn ich dich dafür wahrscheinlich zunächst hassen werde. aber nur so komme ich (vielleicht) weiter.
Also, noch mal vielen dank (grrrrr, knirsch, schnaub) an den oben genannten kritiker.
PS: harald martenstein hat kritik wohl auch nicht so gern. Vielleicht sollte ich ihm mal schreiben.
bratapfel-süß-sauer - 9. Aug, 10:25
gleich ist es soweit; ich kann kaum noch stillsitzen; gleich verbinden sich koffeein und nikotin in meinem blut zu einem speedball und lassen die ideen nur so sprudeln. Ich bin nicht mal verkatert. Beste voraussetzungen also, um eine gute geschichte zu schreiben. Ich sitze im sog. wife-beater (weißes feinripp-unterhemd) vorm laptop; meine ausgewaschene kurze hose schreit danach, mal wieder gewaschen zu werden. Ich schaue an mir runter und bin stolz auf meine geschnitten zehennägel. Richtige „schaufeln“ seien das gewesen, hatte meine freundin behauptet. Frauen haben eben keinen sinn für ökonomie. Es lohnt sich doch erst, wenn die dinger länger sind. Außerdem kann man die abgeschnittenen dinger dann besser vom teppich auflesen. zusätzlich habe ich mir mit einem hobel die hornhaut vom hacken weggehobelt. Als ich das ding danach ausleerte, kamen gefühlte 50g pulver aus der raspel. Bei näherer betrachtung des weißen pulverberges kam mir dann folgende idee: erinnert irgendwie an kokain. Hmm. Kann man damit nicht was machen? Zum glück hatte ich noch so kleine beutel in der küchenschublade, die an koks-portionier-tütchen erinnern. So eine holte ich zusammen mit einem kleinen löffel aus der küche und füllte die tüte mit 5g „koks“ auf. Wozu das ganze? Nun, ich habe schon in zig kriminalfilmen gesehen, dass der vermeintlich drogen aufgefunden habende polizist einen manuellen schnelltest durchführt, also seinen zeigefinger mit der zunge benetzt und in das jeweilige pulver taucht und zum mund zurückführt, um festzustellen, ob kokain, heroin oder zucker. Da ich mich schon so manches mal über „meinen freund und helfer“, der sich selten als solcher erwiesen hat, geärgert habe, würde es mir eine innere genugtuung verschaffen, wenn ich sähe, wie der mich überführende beamte mein „pulver“ auf seiner zunge verteilt. Ein teil meiner leser wird jetzt angewidert das gesicht verziehen. Macht nichts. Literatur muss weh tun bzw. innerlich bewegen. Ich werde also in zukunft diese 5g pulver mit mir führen und diese bei der nächsten kontrolle den beamten unauffällig zuspielen. Da freue ich mich schon drauf. Außerdem fällt mir bei näherer betrachtung meiner abgefeilten hautschuppen auf, dass sie es optisch (vielleicht auch geruchlich) durchaus mit feingeriebenem parmesan aufnehmen können. Vielleicht könnte ich das päckchen auch beim nächsten besuch beim „schmuddel“-italiener einsetzen. Wenn ich dann noch das gesundheitsamt einschalte, kann der seinen laden dicht machen. Woher kommt bloß meine boshaftigkeit? Bin ich mit mir unzufrieden? Oder nicht ausgeglichen?
bratapfel-süß-sauer - 2. Aug, 10:46